Sind Sie blauäugig?

Die Payback-Anwältin Cornelie von Gierke hatte in einer Verhandlung vor dem BGH die Auffassung vertreten, dass moderne Verbraucher nicht blauäugig an Rabattsysteme herangingen. Sie wüssten, dass Händler nichts zu verschenken hätten und ließen sich dafür bezahlen, als Modell zur Marktforschung zur Verfügung zu stehen. Das war im Februar 2008, in einer Zeit, in der die Medien noch nicht täglich über das Thema Datenschutz berichteten. Hinsichtlich der öffentlichen Empörung über Mitarbeiterüberwachungen, missbräuchlicher Verwendung von Bankdaten, Kreditoren-Debitoren-Abgleiche oder der Analyse von Festplatteninhalten könnte man annehmen, dass im Bewusstsein der Verbraucher eine Sensibilisierung für diese Themen stattgefunden hat. Aber ist das auch so?

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Der Fall Mehdorn(s)

Bislang ist mir kein Fall bekannt, bei dem innerbetriebliche Datenschutzverstöße zu personellen Konsequenzen geführt haben, außer, dass dem internen DSB zu verstehen gegeben wurde, dass er sich als DSB „nicht zu weit aus dem Fenster lehnen solle, schließlich habe er auch noch andere Aufgaben, als darauf hinzuwirken, dass die Datenschutzgesetze eingehalten werden.“ Das hat sich nun geändert. Bahnchef Hartmut Mehdorn tritt zurück und ist damit der erste Vorstandsvertreter, dem die Missachtung von Datenschutzbestimmungen zum Verhängnis wird. Achsbrüche, ein geplatzter Börsengang, öffentliche Diskussionen um Lokführerbezüge, Fahrpreiserhöhungen, „Bedienzuschläge“, angetrunkene Lokführer und unfähige Techniker haben ihm, der „sich selbst nicht vorzuwerfen hat“ nichts anhaben können. Und nun das.

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Wetten dass?!

Man kann auf vieles wetten: Pferderennen, Zahlen beim Lotto, fallende Börsenkurse. Demnächst sollten pfiffige Buchmacher Wetten auf das Land anbieten, das die meisten Datenschutzpannen produziert. Neu im Rennen um die Plätze auf dem Podest sind die Österreicher. Allein diese Woche haben sie zweimal auf sich aufmerksam gemacht und damit hohes Entwicklungspotenzial bewiesen.

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17 Mio. Kundendatensätze der Telekom „entwendet“

Im Spiegel wird berichtet, dass T-Mobile schon im Jahr 2006 17 Mio Kundendatensätze „geklaut“ wurden. Die dem SPIEGEL vorliegenden Datensätze, die Handynummern, Adressen, Geburtsdaten und teilweise auch E-Mail-Adressen umfassen würden, wären bereits im Internet in kriminellen Kreisen angeboten worden. Diese Nachricht hat sich in der Presse vor dem Hintergrund der weiteren Presseberichterstattung um die Telekom nicht unerwartet schnell verbreitet. Die Rede ist von „Datenraub“ oder „Diebstahl“. Über die Begrifflichkeiten sollte man einmal kurz nachdenken. Raub findet sich im § 249 des StGB und der lautet: „Wer mit Gewalt gegen eine Person oder unter Anwendung von Drohungen mit gegenwärtiger Gefahr für Leib oder Leben eine fremde bewegliche Sache einem anderen in der Absicht wegnimmt, die Sache sich oder einem Dritten rechtswidrig zuzueignen, wird mit Freiheitsstrafe nicht unter einem Jahr bestraft.“ Das würde hinsichtlich der fraglichen Daten beinhalten, dass diese nicht mehr bei der Telekom, und u.a. jetzt beim Spiegel zu finden sind…

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1,462 Mio Bußgelder für Lidl

Wenn es lange Jahre geheißen hat, dass denen, die gegen Datenschutzbestimmungen verstoßen eh nichts passiert, dann ist damit jetzt sicher Schluss. Lidl darf zahlen. In einer Presseerklärung des Unabhängigen Landeszentrum für Datenschutz in Schleswig-Holstein wird heute darüber berichtet, dass die 12 zuständigen Landesaufsichtsbehörden „schwerwiegende Datenschutzverstöße festgestellt und Bußgelder in einer Gesamthöhe von 1,462 Mio. Euro festgesetzt“ haben. Na also.
Bleibt nur abzuwarten, wie sich das u.a. durch Lidl ausgelöste „neue Datenschutzbewusstsein der Öffentlichkeit“ weiter auswirken wird.

Sie wissen, wer du bist und was du tust

Neulich erreichte mich ein Artikel aus den Chemical & Engineering News. Hierin beschreibt eine Journalistin, dass sie auf einem Kongress in Spanien durch einen deutschen Radioreporter auf in den Namensschildern der Teilnehmer versteckte Rundfunk-Frequenz-Identifikations-Chips, kurz RFID, aufmerksam gemacht wurde, mit dem ein Bewegungsprofil der Kongressbesucher erstellt wurde. Der Veranstalter konnte sich damit ein genaues Bild davon machen, zu welcher Zeit sich die Träger der Namensschilder auf dem Kongress wo aufgehalten haben. Ganz normaler Alltag? Weitere Recherchen der Journalistin hätten ergeben, dass diese Art von Besucherüberwachung mittlerweile auf Messen und Medizin- und Wissenschaftskongressen üblich seien.

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Eierköpfe aufgepasst!

Videohinweis an Sparkasseneingang

Liebe Bankräuber, tragen Sie bei Überfällen bitte eine Stoffmütze. Und vor allem sollten Sie darauf achten, dass Sie die Mützen Ihre Eierköpfe nicht allzu sehr betont. Es könnte sein, dass die Helmerkennung einen Alarm auslöst. Welche Auswüchse die Kameraflut hierzulande entfalten kann, wurde mir neulich anhand eines Fotos gewahr, das mir unser Vereinsmitglied Jörg Lüders zukommen lassen hat. Eine Bank weist Motorradfahrer im Eingangsbereich „höflich“ darauf hin, dass Alarm ausgelöst wird, wenn man mit Helm die Räumlichkeiten betritt. Fragt sich, wie das Ganze funktioniert und vor allem, wie hoch die Quote der Fehlalarme ist.

Von der Maas bis an die Memel

Geomarketing bezeichnet die Planung, Koordination und Kontrolle kundenorientierter Marktaktivitäten von Unternehmen mittels geografischer Informationssysteme. Bitte was?

Geografie? Maas? Memel?

Zur Erklärung betrachten wir die Wohnadresse der Bundeskanzlerin, Kupfergraben 6 in Berlin. Durch Geomarketing ist bekannt, dass das Haus, in dem Angela Merkel lebt, vor 1900 gebaut wurde. Es hat sechs Haushalte, die Bauweise ist befriedigend. Kein Garten, keine Ausländer, die Affinität für Kundenkarten liegt ebenso wie die für private Krankenversicherungen im Mittel. Die Bewohner gelten als desinteressierte Finanztypen, sind klassische Festnetznutzer und kaum Internet-Poweruser. Das dominierende Alter liegt zwischen 51 bis 60 Jahre, Diabetes und Arthrose sind überdurchschnittlich, Fitness unterdurchschnittlich. Es wird viel Audi, Mercedes und BMW gefahren, wenig Volkswagen.

Und: Anders als Kurt Beck, der auf dem Land wohnt, residiert Angie Merkel laut Geomarketing in einem Stadtviertel, in dem sich auch Zahlungsmuffel und Schuldner finden, wovon Kurt Beck als Landbewohner verschont bleibt. Die Stadtlage unserer Kanzlerin wirkt sich direkt negativ auf ihren Scoring-Wert aus. D.h., wenn Sie der Kanzlerin etwas verkaufen wollen, sollten Sie sich absichern; es könnte sein, dass Sie auf einer Forderung sitzen bleiben. Abwegig?

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Sexuelle Ausrichtung: Hetero

Verhalten: Minderzickig, klettert gern auf Bäume unter zwei Metern Höhe und bleibt somit erreichbar… So oder ähnlich könnte eine Personenbeschreibung aussehen, die sich in der französischen Datenbank „Edvige“ finden lässt. Heise hat darüber berichtet, dass Edvige für die französische Polizei und andere Behörden Daten von Personen zentral erfassen soll, die sich für ein politisches, gewerkschaftliches oder religiöses Mandat bewerben, bzw. schon mit einem solchen Mandat betraut sind.

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Welche Art von Terrorist sind Sie?

In der Online-Ausgabe der Welt wird ebenso wie hier, hier und in der Tagesschau über die US-Liste der Terrorverdächtigen berichtet. Immerhin, Nelson Mandela, der nunmehr schon vor 14 Jahren den Friedensnobelpreis bekommen hat, ist der Berichterstattung zu Folge Anfang Juli von der Liste gestrichen worden, auf die er als Gegner der Apartheid in Südafrika gelangt war. Saddam Hussein wurde noch nicht gestrichen, obwohl der ja tot sein soll. Zumindest konnten daran Interessierte seine Hinrichtung per Video im Internet verfolgen. Wahrscheinlich wurde nur einer seiner Doppelgänger hingerichtet, Hussein lebt noch und das Video wurde nur online gestellt, um den Eindruck seiner Hinrichtung zu erwecken. Welchen Grund sollten die Amerikaner sonst haben, seinen Namen weiterhin auf der Liste zu führen? Wie dem auch sei. Es bleiben immer noch mehr als 1 Million Leute, die auf der Liste stehen, tot oder lebendig.

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Leise rieselt der Schnee …

Es gab einmal (oder gibt noch, was sich meiner Kenntnis entzieht) eine Sendung im Privatfernsehen, die über Machenschaften unliebsamer Zeitgenossen berichtete. „Höllische Nachbarn“ dürfte vereinzelt einen hohen Wiedererkennungswert gehabt haben, insbesondere, wenn es um Geschichten ging, die jeder irgendwann auf die eine oder andere Art schon selbst erfahren hat. Diese Art von Reality-TV hat nun eine ganz andere Dimension erlangt, an der jeder selbst aktiv partizipieren kann. Ein amerikanischer Anbieter stellt eine Online-Plattform zur Verfügung, auf der man dank Google Maps seine Meinung über die eigenen Nachbarn oder Wohngegenden im allgemeinen kundtun kann. Weltweit! So wird z.B. eine Wohnadresse in Hamburg mit den Anfangszeilen eines Weihnachtsliedes beschrieben.

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Eine Kaffeemaschine für Hacker

Jüngst hat Heise Online den Bericht eines australischen Sicherheitsspezialisten ausgegraben, in dem auf Sicherheitslücken einer Kaffeemaschine hingewiesen wird. So sei es über das Internet möglich, die Einstellungen der Maschine zur Kaffeezubereitung zu ändern, womit durch Einstellung der Standardmenge des Kaffeepulvers und des Wassers anderen Leuten der Kaffee versaut werden könne. Den Sinn oder Unsinn einer solchen Meldung hat ein Nutzer im Heise-Forum treffend beschrieben:

WIR WERDEN ALLE STERBEN!!!

Tod durch Entkoffeinierung. 

Das Ende von nahezu 99% der IT-Branche 

Schrecklich

🙂 

SCNR*… 

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