Von Sexualstraftätern und Hexenjagden …

An einen Datenschützer wird oft die Frage adressiert, wozu man sich die Mühe machen soll, die Privatsphäre zu verteidigen, wo es doch nichts zu verbergen gibt. Ein rechtstreuer Bürger hat doch nichts zu befürchten und sollte einem Innenminister Schäuble für ein sicheres Land dankbar sein, und … Überwachung ist doch etwas Gutes!?

Sicher, als Bürger dieses Landes hat man das Recht, einen Anspruch an den Staat zu stellen, unbescholten durchs Leben gehen zu können und darauf zu vertrauen, dass der Staat Leben, Gesundheit und Eigentum des Individuums mit den erforderlichen Mitteln schützt. Die Palette der Erforderlichkeiten wird im Kontext der Bekämpfung von Terrorismus, Kriminalität und Sexualdelikten immer länger. Über die einzelnen Maßnahmen habe ich hier schon öfter geschrieben… Wie aber lässt sich eine konkrete Bedrohung feststellen?

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Kundenbindung mal anders…

Gestern fiel mir im Schaufenster der Apotheke an der nächsten Straßenecke ein Werbehinweis auf. „DeutschlandCard“. Nein, bei diesem „Denglizismus“, handelt sich nicht um eine Landkarte mit Apothekenverzeichnis, sondern um ein neues branchenübergreifendes Kundenkartensystem der Bertelsmann-Tochter Arvato, das als Konkurrenzprodukt zu den führenden Systeme Payback und Happy Digits am Markt eingeführt werden soll. Sie werden jetzt vielleicht fragen, wer ist Arvato? Und die Frage ist berechtigt. Arvato wickelt das Miles & More-Programm der Lufthansa ab und bietet verschiedene Dienstleistungen rund um Kundenbeziehungen an: Adresshandel, Bonitätsprüfungen, Direktmailings und Inkassodienste. Inkassodienste? Continue reading

Kennen Sie Budni?

Für die, die Hamburg nicht kennen: Budni ist die Kurzform für Budnikowski, eine Drogeriemarktkette in Hamburg. Bei Budni gibt es auch die sog. Budni-Karte. Eine Karte, bei der man an der Kasse gefragt wird, ob man Punkte sammelt … Also ein Kundenbindungs- auch oder CRM-System. Exakte Bezeichnung Customer-Relationship-Management-System. Ganz neu ist die Budni-Cash-Karte, die auch eine praktische Kreditkartenfunktion beinhaltet und bei der anfallende Kundendaten mit der Haspa, der „Hamburger Sparkasse“, und der Schufa ausgetauscht werden können.
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Vanilleeis und Priapismus

Eine Bekannte von mir erzählte jüngst von einem ihr befreundeten Pärchen, dessen männlicher Part ohne dessen Wissen von ihr „Mister 2 Kugeln Vanilleeis“ genannt wird. Eben weil jener beim Gang ins Eiscafe immer 2 Kugeln Vanilleeis bestellt.
Bis sie mir von Mr. Vanille erzählte, wusste sie nicht, dass Vanilla in der SM-Szene die Art von Sexualität beschreibt, die nicht in den Bereich von Sado-Maso fällt. Sozusagen, wenn es um Standards, oder Blümchensex geht. Die Begründung dafür klingt logisch, denn jeder Mensch mag Vanilleeis und keine andere Sorte ist weiter verbreitet.
„Mister 2 Kugeln Vanilleeis“ hätte nun mit seiner Partnerin eine neue Heimstätte bezogen, und damit kam die Vermutung auf, dass die SM-Szene mit der Beschreibung Recht hat. Denn in den zum Schlafen vorgesehenen Räumlichkeiten von „Mr. 2 Kugeln Vanilleeis“ ist ein aufrechtes Zubettgehen aufgrund fehlender Raumhöhe ausgeschlossen.
Und was macht jemand, der nur Vanilleeis isst, in einem Schlafzimmer, in dem ausschließlich eine liegende Position möglich ist? Jetzt könnte es schlüpfrig werden…
Aber hier geht es um Datenschutz und nicht um Kopfkino oder sexuelle Phantasien… Und wir sind schon mittendrin, im § 3 Abs. 9 des BDSG. Dort heißt es: „Besondere Arten personenbezogener Daten sind Angaben über die rassische und ethnische Herkunft, politische Meinungen, religiöse oder philosophische Überzeugungen, Gewerkschaftszugehörigkeit, Gesundheit oder Sexualleben.“ Sexualleben? Vanilleeis?

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„Das ist Paul …“

Bereits im letzten Sommer hatte ich auf eine Internetseite verwiesen, die an der Hochschule Ulm im Studiengang Digital Media als Bachelor – Abschlussarbeit entstanden ist. Sie informiert sehr illustrativ über das Thema Datenschutz und ist aktueller denn je. Die Geschichte vom Frosch im heißen Wasser hat sicher der eine oder andere schon vernommen, hier ist sie im Film „Paul denkt“ beschrieben, zu finden auf Pauls „Arbeitsweg“.

Bundesverwaltungsgericht: Meldedaten in Hamburg

In der Öffentlichkeit ist kaum bekannt, dass die Meldebehörden Auskünfte über Adressdaten der Bürger erteilen. Diese Auskünfte sind nicht nur auf politische Parteien beschränkt. Unternehmen, die sich auf Direktmarketing spezialisiert haben, können ebenso bei den Meldebehörden listenmäßig erfasste Einwohnerdaten erhalten, es sei denn, die betroffenen Bürger haben sich per Auskunftssperre dagegen ausgesprochen. Continue reading