Schlüssellöcher und andere Menschlichkeiten

In letzter Zeit werde ich öfter gefragt, warum es hier keine nennenswerten Berichte über die Datenschutzprobleme der Telekom gibt. Die Erklärung ist einfach. Einerseits sind die Zeitungen voll von Berichten dazu und man fragt sich, welche Sensationsmeldung als nächste folgen wird. Die Journallie bezieht sich jetzt schon nicht mehr auf das „Warum?“ und „Wie?“, sondern versucht sich in Interpretationen und Kritiken zum gegenwärtigen Bemühen der Telekomverantwortlichen, die Situation in den Griff zu bekommen, die u.a. lauten: Die derzeitigen Lösungen sind eine rührende Mischung aus Hoffnung, Naivität und Aktivismus.

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… und prallte gegen einen Feldbusch

Begriff der personenbezogenen Daten. Ich werde auch nicht zuletzt deshalb gefragt, was denn alles darunter zu verstehen ist. Ein gerne genommenes Beispiel dazu ist ein Bericht des Polizeikommissariats Verden aus dem Jahr 1998. Zu einem Verkehrsunfall hieß es darin: „Ein international bekannter 44jähriger Popstar aus Rosengarten geriet mit seinem Pkw infolge von Unachtsamkeit auf der regennassen Fahrbahn ins Schleudern, rutschte in den rechten Seitenraum, prallte gegen einen dort befindlichen Feldbusch…“ Popstar, Rosengarten, Feldbusch? Na raten Sie mal.

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Sie wissen, wer du bist und was du tust

Neulich erreichte mich ein Artikel aus den Chemical & Engineering News. Hierin beschreibt eine Journalistin, dass sie auf einem Kongress in Spanien durch einen deutschen Radioreporter auf in den Namensschildern der Teilnehmer versteckte Rundfunk-Frequenz-Identifikations-Chips, kurz RFID, aufmerksam gemacht wurde, mit dem ein Bewegungsprofil der Kongressbesucher erstellt wurde. Der Veranstalter konnte sich damit ein genaues Bild davon machen, zu welcher Zeit sich die Träger der Namensschilder auf dem Kongress wo aufgehalten haben. Ganz normaler Alltag? Weitere Recherchen der Journalistin hätten ergeben, dass diese Art von Besucherüberwachung mittlerweile auf Messen und Medizin- und Wissenschaftskongressen üblich seien.

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Sexuelle Ausrichtung: Hetero

Verhalten: Minderzickig, klettert gern auf Bäume unter zwei Metern Höhe und bleibt somit erreichbar… So oder ähnlich könnte eine Personenbeschreibung aussehen, die sich in der französischen Datenbank „Edvige“ finden lässt. Heise hat darüber berichtet, dass Edvige für die französische Polizei und andere Behörden Daten von Personen zentral erfassen soll, die sich für ein politisches, gewerkschaftliches oder religiöses Mandat bewerben, bzw. schon mit einem solchen Mandat betraut sind.

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Welche Art von Terrorist sind Sie?

In der Online-Ausgabe der Welt wird ebenso wie hier, hier und in der Tagesschau über die US-Liste der Terrorverdächtigen berichtet. Immerhin, Nelson Mandela, der nunmehr schon vor 14 Jahren den Friedensnobelpreis bekommen hat, ist der Berichterstattung zu Folge Anfang Juli von der Liste gestrichen worden, auf die er als Gegner der Apartheid in Südafrika gelangt war. Saddam Hussein wurde noch nicht gestrichen, obwohl der ja tot sein soll. Zumindest konnten daran Interessierte seine Hinrichtung per Video im Internet verfolgen. Wahrscheinlich wurde nur einer seiner Doppelgänger hingerichtet, Hussein lebt noch und das Video wurde nur online gestellt, um den Eindruck seiner Hinrichtung zu erwecken. Welchen Grund sollten die Amerikaner sonst haben, seinen Namen weiterhin auf der Liste zu führen? Wie dem auch sei. Es bleiben immer noch mehr als 1 Million Leute, die auf der Liste stehen, tot oder lebendig.

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Leise rieselt der Schnee …

Es gab einmal (oder gibt noch, was sich meiner Kenntnis entzieht) eine Sendung im Privatfernsehen, die über Machenschaften unliebsamer Zeitgenossen berichtete. „Höllische Nachbarn“ dürfte vereinzelt einen hohen Wiedererkennungswert gehabt haben, insbesondere, wenn es um Geschichten ging, die jeder irgendwann auf die eine oder andere Art schon selbst erfahren hat. Diese Art von Reality-TV hat nun eine ganz andere Dimension erlangt, an der jeder selbst aktiv partizipieren kann. Ein amerikanischer Anbieter stellt eine Online-Plattform zur Verfügung, auf der man dank Google Maps seine Meinung über die eigenen Nachbarn oder Wohngegenden im allgemeinen kundtun kann. Weltweit! So wird z.B. eine Wohnadresse in Hamburg mit den Anfangszeilen eines Weihnachtsliedes beschrieben. Continue reading

Google auf dem Prüfstand

Neues von Google. Obwohl, so neu ist das nun auch wieder nicht. Neu an dieser Meldung ist nur der Ort des Geschehens. Der Tagesspiegel berichtet, dass Google mit Kameras in Berlin unterwegs ist. Mit Street View wird es somit demnächst auch möglich sein, sich Berlin nicht nur aus der Vogelperspektive anzuschauen. Auch wenn Google zusichert, in Berlin aus Datenschutzgründen nur die Vogelperspektive zu zeigen. Wozu aber dann die Bilder? Erinnert mich an ein Video bei YouTube:

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Xing abmelden?

In letzter Zeit mehren sich hier die Google-Anfragen zu „Xing abmelden“, „Wie lösche ich meine Mitgliedschaft bei Xing“, „Abmelden einer Premium-Mitgliedschaft bei Xing“, „Xing kündigen“, oder „Xing Mitgliedschaft kündigen“. Über die Motive der Suchenden kann man nur spekulieren, ich hatte bereits hier über die Abmeldefunktion geschrieben.

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20 Mrd. € Schadensersatz?

Das könnte teuer werden. Die italienische Verbraucherschutzorganisation Codacons hat nach der Veröffentlichung von Steuerdaten im Internet Schadenersatzforderungen in Milliardenhöhe gestellt. Unter Berufung auf die Zeitung La Repubblica berichtet Heise, dass entsprechend einer Anzeige, die Codacons der Staatsanwaltschaft in Rom und der Datenschutzbehörde vorgelegt hat, jeder betroffene Bürger als Wiedergutmachung 520 Euro erhalten soll. Insgesamt würde sich die geforderte Summe damit auf 20 Milliarden Euro belaufen.

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Über Politik, Transparenz und Einkommenssteuern

Wer ist Beppe Brillo? Das habe ich mich gefragt, als Heise kürzlich über die Veröffentlichung von Einkommenssteuererklärungen aller Italiener nebst zugehörigen Adressen durch das italienische Finanzministerium berichtete. Beppe Brillo, ehemaliger Schauspieler und Moderator, scheint als Komiker und Weblogger in Italien recht erfolgreich zu sein. Nach der Aktion des Finanzministeriums weiß das ganze Land, dass er im Jahr 2005 4.272.592,- Euro verdient hat. Und wir wissen das nun auch. Aber wollen wir das überhaupt?

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Kundenbindung mal anders…

Gestern fiel mir im Schaufenster der Apotheke an der nächsten Straßenecke ein Werbehinweis auf. „DeutschlandCard“. Nein, bei diesem „Denglizismus“, handelt sich nicht um eine Landkarte mit Apothekenverzeichnis, sondern um ein neues branchenübergreifendes Kundenkartensystem der Bertelsmann-Tochter Arvato, das als Konkurrenzprodukt zu den führenden Systeme Payback und Happy Digits am Markt eingeführt werden soll. Sie werden jetzt vielleicht fragen, wer ist Arvato? Und die Frage ist berechtigt. Arvato wickelt das Miles & More-Programm der Lufthansa ab und bietet verschiedene Dienstleistungen rund um Kundenbeziehungen an: Adresshandel, Bonitätsprüfungen, Direktmailings und Inkassodienste. Inkassodienste? Continue reading

Kennen Sie Budni?

Für die, die Hamburg nicht kennen: Budni ist die Kurzform für Budnikowski, eine Drogeriemarktkette in Hamburg. Bei Budni gibt es auch die sog. Budni-Karte. Eine Karte, bei der man an der Kasse gefragt wird, ob man Punkte sammelt … Also ein Kundenbindungs- auch oder CRM-System. Exakte Bezeichnung Customer-Relationship-Management-System. Ganz neu ist die Budni-Cash-Karte, die auch eine praktische Kreditkartenfunktion beinhaltet und bei der anfallende Kundendaten mit der Haspa, der „Hamburger Sparkasse“, und der Schufa ausgetauscht werden können.
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