Haben wir nicht, brauchen wir nicht, weg damit!

Wir leben in einem Land, das sich den Luxus leisten kann, keine klare Meinung zu der Frage zu haben, wer eigentlich als arm gilt. Man beachte schon bei dieser Formulierung den feinen Unterschied: Es geht nicht darum, wer arm ist, sondern wer als solches gilt. Wer nicht zu den Armen in diesem Land gehört, nach welcher Logik auch immer, der wird bei ehrlicher Betrachtung zugeben müssen, dass sein Heim voll von Krempel ist, der in hohem Maß entbehrlich ist. Längst geht es beim Einkauf nicht mehr um das Lebensnotwendige, sondern um die kleinen Freuden, die das Leben versüßen sollen. Bei Durst täte es zum Beispiel auch Leitungswasser. Das ist lecker, beinahe umsonst, uneingeschränkt gesund, und überhaupt erfüllt es den Zweck des Durst Löschens optimal. Aber der Keller ist voll mit Wein, und zwar nicht von der billigsten Sorte. Ein schwerer Roter oder ein spritziger Weißer zu einem guten Essen kann durch Wasser auch kaum adäquat ersetzt werden.

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Google hat keine Papierkörbe

Im Schweizer Tagesanzeiger findet sich jüngst unter dem Titel “Privatsphäre wird zum Luxusgut” ein Interview mit dem aus Altersgründen scheidendem eidgenössischen Datenschutzbeauftragten Hanspeter Thür. Er verweist in diesem Interview u.a. darauf, dass die Chefs der großen digitalen Plattformen ihre Privatsphäre rigiros schützen. Was sich auch daran festmachen ließe, dass die Namen der Kinder des Google – Gründers Larry Page nicht bekannt seien.
In diesem Zusammenhang fällt mir ein, dass es in der Hamburger Niederlassung von Google keine Papierkörbe gibt und jedes anfallende Papier per Arbeitsanweisung in den Schredder zu befördern ist, und sei es nur Kaugummipapier. Die Einhaltung dieser Anweisung wird den Mitarbeitern recht einfach gemacht. Wenn es keine Papierkörbe gibt, wandert eben alles in den Schredder. Zufall?

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Die dynamische Preisgestaltung

Wie kaufen Sie ein? Online im Netz, oder gehen Sie selbst ins Geschäft? Und haben Sie sich schon einmal Gedanken darüber gemacht, wie Sie online aussehen?
Ich meine nicht ihr Foto bei Facebook oder in anderen sozialen Netzen. Das kann man leicht ändern. Nein, die Frage bezieht sich auf Ihr Kundenprofil, Ihre digitale Seele, die Sie z.B. bei Amazon haben. Denn eine Änderung dieses Bildes von Ihnen wird schon ein wenig schwieriger. Big Data ist hier wieder einmal das Thema.

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Google und der Umgang mit Privatsphäre

In loser Folge werde ich über die Bedeutung der Firma Google, ihrer Dienste und vor allem, über die Auswirkungen dieser Angebote auf die Privatsphäre berichten. Was hat mich dazu motiviert?

1. Der Rechtsstreit zum Dienst „StreetView“ in der Schweiz

2. Die Marktposition von Google und ihr Verhalten gegenüber Kunden, Mitarbeitern und der Konkurrenz

3. Die völlige Veränderung des Begriffs „Privatsphäre“ in der so genannten „Cloud“, welche von Google beherrscht wird.

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Oh Gott. Das ist ja peinlich!

Das war eine der Antworten, die ich jüngst auf eine Email bekommen habe. Hintergrund war eine „Verabschiedungsmail“, die von der Marketingvertreterin eines weltweit bekannten Dienstleistungsunternehmens über die Mailfunktion „An Alle“ verschickt wurde. Aufgrund weiterer interner Verteiler teilte sie der Welt in vierfacher Ausgestaltung dieser Email mit, dass sie den Arbeitgeber wechselt und u.a. ihr bisheriger Praktikant für die weitere Kundenbetreuung zur Verfügung stehe. Unabhängig davon, welche Wertigkeit sie damit auf ihr eigenes Wirken in diesem Unternehmen legt, adressierte sie diese Nachricht nicht, wie man vermuten würde, „BCC“ , sondern „CC“ und das an mehr als 250 Empfänger; verteilte damit natürlich auch meine Emailadresse in mehr als 250 Adressbücher.

Nicht danach gefragt, welchen Sinn oder Unsinn solche Nachrichten haben, liegt es nahe, dass man sich in der Hektik des Geschäftsalltags schon mal in der Zeile versieht und unglücklicherweise „CC“ verschickt. Wenn dann aber eine Nochkollegin der Absenderin alles Gute für die Zukunft wünscht und das auch vierfach „CC“ „An Alle“ verschickt, ist das keine Flüchtigkeit, sondern ein Fehler im Bewusstsein der Mitarbeiter des betreffenden Unternehmens.

Heute morgen erreichte mich eine Email eines Vertreters der Datenschutzbranche, der das Gleiche macht. Wieder mehr als 250 Adressaten und das aus der Hand eines jemanden, der es besser können müsste. Scheint ja doch eine gängige Praxis zu sein, qualifizierte Emailadressen auf diese Weise in die Welt „hinauszupusten“. Wer wissen will, wie es richtig geht, findet hier Antworten.

Meine Antwort auf die Nachricht der Marketingvertreterin beinhaltete einen Verweis auf §§ 28, 29 BDSG und einen dementsprechenden Hinweis auf schutzwürdige Interessen, der besagt, dass meine Emailadresse nicht für Werbe- oder Marketingzwecke verwendet werden darf. Dieses gilt natürlich auch für „Alle“ anderen, die in der Ursprungsnachricht „CC“ adressiert waren und jetzt durch meine Antwort in „BCC“ – Funktion ebenfalls dazu angehalten sind, meine schutzwürdigen Interessen zu wahren.

Zu kompliziert? Ganz einfach. Würden Sie wollen, dass Ihre Emailadresse in Datenbanken landet, von denen Sie gar nicht wissen, dass sie existieren? GMail, der Maildienst von Google z.B., beinhaltet laut Google-Nutzungsbestimmungen, dass sämtliche E-Mails automatisiert durchsucht werden (inbegriffen Adressaten von Nachrichten), um daraufhin kontextbezogene Werbung einblenden zu können. Eine darüber hinausgehende Nutzung der gewonnenen Daten zu Marketingzwecken wird zudem von Google nicht ausgeschlossen…

Ich bekam mehrere Antworten auf meine Reaktion, die durchaus unterschiedlich ausfielen. Die überwiegende Mehrheit äußerte sich positiv:

„Schöne Email – da kann ich Ihnen nur zustimmen. So etwas darf nicht passieren.“

„Ich danke Ihnen für diese sehr gut und auf den Punkt gebrachte Mail an diese recht naive und auch noch leichtsinnige Person“

Die Bemerkung, so etwas sei peinlich, kam von einem Marketingvertreter. Zufall? Oder ist es im Marketing üblich, eigene Geschäftsinteressen über die Persönlichkeitsrechte der Kunden zu stellen?

Voyeure auf Rädern

Heute präsentieren wir Ihnen ein Rezept für ein schmackhaftes Gericht namens Street View. Bei der Zubereitung sollte man äußerste Vorsicht walten lassen, da es andernfalls zu Reizungen der Speiseröhre oder des Magen-Darm-Trakts kommen könnte.

Man nehme:

  • den Marktführer in Sachen Internet-Suchmaschinen
  • mehrere Autos (in Deutschland schwarze Astras mit Hamburger Nummer)
  • High-Tech-Kameras (die im 2-Sekunden-Takt hochauflösende Bilder für Panoramaaufnahmen liefern)
  • eine entspannte Haltung im Umgang mit der Privatsphäre anderer

Zubereitung:
Zunächst lässt man den Suchmaschinen-Monopolisten eine zusätzliche Funktion seines Kartendienstes Google Maps entwickeln: den Karten-Bilderdienst Street View (mehr dazu hier). Hierbei ist streng darauf zu achten, dass man die Privatsphäre seiner Mitmenschen nicht zu ernst nimmt.

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Alter Schwede!

Eine Vorform des Paradieses sehen viele geplagte Resteuropäer in den skandinavischen Ländern – allen voran Schweden: sozialstaatlich, florierende Wirtschaft, freiheitlich. Doch zumindest im letzten Punkt müssen wir unser Bild wohl korrigieren. Denn in Schweden herrscht Katerstimmung: Hier bahnt sich eine handfeste Krise an, deren Dramaturgie selbst der olle Goethe kaum besser hinbekommen hätte. Folgen wir also den Phasen des klassischen Dramas:

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Bußgeld wegen Google Analytics?

Die Presseerklärung des Unabhängiges Landeszentrum für Datenschutz Schleswig-Holstein (ULD) zur Webnutzeranalyse durch Google Analytics (einen hiesigen Beitrag zu Google Analytics gibt es hier) hat offenbar zu zahlreichen Reaktionen geführt. Thilo Weichert, Leiter des ULD, hat in einer Presseerklärung eine Stellungnahme abgegeben, die auch zur Frage von Bußgeldern Auskunft gibt, die bei der Verwendung von Google Analytics zur Disposition stehen könnten: „Unser einziges Ziel ist es, soweit dies in unserem Einflussbereich ist, datenschutzkonforme Verhältnisse im Internet zu schaffen. Wir werden auch nicht als nächstes Webseiten-Betreiber in Schleswig-Holstein, die unzulässig Google Analytics oder vergleichbare Werkzeuge einsetzen, mit Bußgeldern überziehen, obwohl wir davon ausgehen, dass in vielen Fällen die Voraussetzungen hierfür vorliegen.“

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Google auf dem Prüfstand

Neues von Google. Obwohl, so neu ist das nun auch wieder nicht. Neu an dieser Meldung ist nur der Ort des Geschehens. Der Tagesspiegel berichtet, dass Google mit Kameras in Berlin unterwegs ist. Mit Street View wird es somit demnächst auch möglich sein, sich Berlin nicht nur aus der Vogelperspektive anzuschauen. Auch wenn Google zusichert, in Berlin aus Datenschutzgründen nur die Vogelperspektive zu zeigen. Wozu aber dann die Bilder? Erinnert mich an ein Video bei YouTube:

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Google Health und das Patientengeheimnis

Stellen Sie sich vor, Ihr Name wäre zusammen mit Informationen zu Ihrer Gesundheit in einer Datenbank gespeichert, die online verfügbar ist. Die sich daraus ergebenen Möglichkeiten könnten durchaus geeignet sein, die medizinische Versorgung zu verbessern. Schon alleine der Fernzugriff eines Facharztes lässt es logisch erscheinen, dass solche Funktionen als erstrebenswert gelten. Man muss nicht lange auf den Aktenauszug des Hausarztes warten und Untersuchungen müssen nicht doppelt durchgeführt werden. Im günstigsten Fall haben Sie als Patient selbst einen Zugriff auf Ihre Daten und können darüber befinden, wer nun alles auf Ihren Datensatz zugreifen darf und wer nicht. Im Großen und Ganzen ist das die Argumentation von Befürwortern der Gesundheitskarte, zu denen auch verschiedene Datenschützer gehören. Es ist aber auch die hauseigene Begründung für das Google – Health – Projekt.

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Xing abmelden?

In letzter Zeit mehren sich hier die Google-Anfragen zu „Xing abmelden“, „Wie lösche ich meine Mitgliedschaft bei Xing“, „Abmelden einer Premium-Mitgliedschaft bei Xing“, „Xing kündigen“, oder „Xing Mitgliedschaft kündigen“. Über die Motive der Suchenden kann man nur spekulieren, ich hatte bereits hier über die Abmeldefunktion geschrieben. Der Einfachheit halber hier nochmals den Link zur Abmeldung. Funktioniert aber nur bei Nicht-Premium-Mitgliedschaften. Premium-Mitglieder können sich hier abmelden.

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Don´t be evil

„The evil is always and everywhere“ hieß es vor Jahren bei der „Ersten Allgemeinen Verunsicherung“ kurz „EAV“. Vor diesem Hintergrund scheint der bekannte Google-Slogan „dont´t be evil“ falsch gewählt, denn Google ist allgegenwärtig. Aber eben nicht böse… oder etwa doch? Letztere Ansicht vermag der Autor eines Buches vertreten, das jüngst erschienen ist. In „Die Google-Falle“ beschreibt Gerald Reischl den bekannten Suchmaschinenbetreiber als Unternehmen, das zwar als hipp, cool, bunt, freundlich und als der beste Arbeitgeber gilt, aber auch zu kritisieren ist. So soll „Die Google – Falle“ „zur Bewusstseinsbildung beitragen und aufzeigen, in welchem Zwiespalt Internet-Nutzer leben, welche Versäumnisse Europa gemacht hat und worauf wir achten sollten, wenn wir das Internet für unsere Zwecke nutzen wollen. Es wird anhand von Fakten bewiesen, dass [ … ] Versprechen, keine Daten auszuwerten und sie nach 18 Monaten zu löschen, nur Lippenbekenntnisse sind …“ Continue reading