98 Datenfelder

Wussten Sie, dass Facebook jede andere Webseite, die Sie besuchen, sehen kann, wenn Sie bei Facebook eingeloggt sind? Und nicht nur das. Selbst wenn Sie nicht eingeloggt sind, bekommt Facebook jede Menge Informationen über Ihr Surfverhalten, weil es bei jedem Aufruf einer Seite, die mit einem “like-” oder “share-” button versehen ist, alarmiert wird. Liest sich dramatisch, aber “The Washington Post” schreibt tatsächlich “alerted”.
Doch dazu später. Erst möchte ich Ihnen von einer Studie zur “digitalen Selbstvermessung” berichten. … Ja, ich weiß. Wenn ich Sie wäre, wäre ich jetzt wahrscheinlich auch schon genervt und würde nicht weiterlesen. Studie? Selbstvermessung? …  Das ist wie “Vorratsdatenspeicherung” oder “Entsorgungspark”, was nichts anderes bedeutet als “Überwachung von Jedermann” oder “Müllkippe”. Euphemismen, die zur Verblendung oder Verharmlosung dienen. Digitale Selbstvermessung beschreibt die unbewusste Zulieferung von Gesundheitsdaten an Unternehmen und Personen, die man nicht kennt, damit diese Unternehmen und Personen sich daran bereichern können.
Ich verspreche, es wird spannend. Trotz der Begrifflichkeiten.

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Neues aus Lummerland

Unglaublich und doch wahr: Es gibt Menschen, die sind noch paranoider als ich. Eine gute alte Freundin von mir, die nebenbei bemerkt aus Datenschutzgründen die Kamera an ihrem Laptop mit einem Post-It abklebt, erzählte mir neulich von einem Dilemma, das sie mit ihrem iPhone 4 hatte.
Ihre grundsätzliche Verweigerung iTunes für die volle Bandbreite des Gerätes zu nutzen, mag neben der nachlassenden Akkuleistung mit ein Grund dafür gewesen sein, dass das gute Stück wegen der fehlenden Upgrades allmählich den Geist aufgegeben hat. Ihr Chef wollte dem Abhilfe leisten und sponserte ein nagelneues iPhone 6s. Und um die Daten von dem alten Gerät auf das neue zu übertragen, hat sie es tatsächlich geschafft, die Apple-Leute zu überreden ihr diesen Gefallen zu tun. Ohne dass sie einen iTunes-Account dafür anlegen musste. Geht auch ohne digitale Seele, könnte man jetzt sagen. Man muss nur hartnäckig sein und sich nicht von der Masse treiben lassen.
Ein paar Tage später bekam ich von ihr unter dem Kommentar *schüttel-mit-dem-kopf* einen Link zu einem Artikel in der Digitalausgabe der Bildzeitung. Das erste, was ich zunächst zu sehen bekam, war eine leere Seite mit der ULR: Warum sehe ich bild.de nicht…

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Wir geben Ihrer Zukunft ein Zuhause – JVA

Bei der Hamburger Steuerfahndung soll es vor 10 Jahren einen Mitarbeiter gegeben haben, der auf eigene Kosten Merchandising – Artikel für besonders gute „Kunden“ herstellte. So wurde dann auch mal nach erfolgreicher Fahndung der eine oder andere Steuersünder mit einem Kugelschreiber oder einer Tasse beschenkt, auf dem oder der zu lesen stand: Hamburger Steuerfahndung. Wir machen auch Hausbesuche!

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Europäischer Gerichtshof kippt Safe Harbor

Die bundesdeutschen Aufsichtsbehörden haben schon kurz nach Edward Snowdens Veröffentlichungen neue Datentransfers in die USA auf Basis des Safe Harbor Abkommens untersagt. Unberührt davon waren bislang die bis dahin bestehenden Safe Harbor Verbindungen. Damit ist nun auch Schluss. Der EuGH hat die Rechtsgrundlage für Safe Harbor für ungültig erklärt.

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Die “öffentliche Privatsphäre”

1993 war ich das erste Mal im Internet. 386er PC, 200 MB Festplatte, 4 MB Arbeitsspeicher und ein internes 9.6er Faxmodem. Damals kannte ich die Textzeilen der autoexec.bat, config.sys, system.ini und win.ini von Windows 3.1 auswendig und konnte durchaus von mir sagen, dass ich weiß, wie ein Betriebssystem funktioniert. Ich saß in meiner Studentenbude und hatte mir einen CompuServe-Account zugelegt. Es war aufregend, dem Impulswahlverfahren über den internen Lautsprecher des PC zu lauschen …und ich war auch schon damals paranoid. Meine Vorstellungen, was nun passieren wird, gingen durchaus in die Richtung, dass ich mit dieser physikalischen Verbindung Dinge auf meinem PC zulasse, die ich nicht kontrollieren kann. Es gab keine Firewallsysteme und auch keine Virenscanner, tatsächlich hat damals noch niemand über so etwas nachgedacht. Und ich hatte den Finger auf dem Hauptschalter, um zu vermeiden, dass ich mir den Teufel auf den Rechner hole.

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19 Mrd. US Dollar

Junge, Junge. Als ich heute morgen durch die Nachrichten stöberte, fiel mir natürlich die WhatsApp – Schlagzeile auf. Verkauft für 19 Mrd. US Dollar. Wer gibt für eine Hinterhofbude (unbestätigten Berichten zufolge befindet sich der WhatsApp-Geschäftssitz in einem Sushiladen) so viel Geld aus? Natürlich, Facebook.
Nur zum Vergleich. Die Daimler AG erzielte 2012 mit 275.000 Mitarbeitern bei einem Umsatz von 114.297 Mrd. EUR einen Gewinn von 6,495 Mrd. EUR. Bei BMW sieht es nicht viel schlechter aus: 105.000 Mitarbeiter, Umsatz 76 Mrd. EUR, Gewinn 5 Mrd EUR.
19 000 000 000 US Dollar. Der jährliche Staatshaushalt mancher Länder dieser Welt kommt nicht annäherungsweise an so eine Zahl heran. Diese Länder haben ja auch nichts zu verkaufen, was Facebook so viel wert wäre. Genau genommen hat Facebook ja auch schon, was den Staatshaushalt dieser Regionen anreichern könnte.

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Eine Betrachtung zu Intelligenz

Neulich erreichte mich wieder einmal eine Einladung zu WhatsApp, per Mail. Ich habe mich immer dagegen gewehrt und werde das auch weiterhin tun. Und weil mich das nervt, habe ich die letzte Einladung mit folgendem Text beantwortet:

Installieren Sie WhatsApp
Sie sind sicher so ein Depp
In diesem meinem Leben
wird es das nicht geben.

WhatsApp oder Chrome,
Windows auf dem Phone
ist was für die Doofen.
Sollen die’s doch koofen

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Big Data

Ein Mann geht in die örtliche Niederlassung einer Ladenkette und beschwert sich beim Niederlassungsleiter über Postsendungen, die an seine 16-jährige Tochter gerichtet wurden. Ärgerlich vertritt er den Standpunkt, dass mit Werbung für Mutterschaftskleidung, Kinderzimmerausstattung und Bildern glücklicher Säuglinge seine noch zur Schule gehende Tochter zu einer Schwangerschaft ermutigt würde. Der Niederlassungsleiter entschuldigt sich in aller Form beim besorgten Vater und wiederholt diese Entschuldigung ein paar Tage später telefonisch. Zu seiner Überraschung lässt Papi ihn in diesem Telefonat jedoch wissen, dass er es sei, der sich entschuldigen müsse. Er hätte ein Gespräch mit seiner Tochter gehabt und müsse eingestehen, dass in seinem Haus Dinge passiert seien, denen er sich nicht bewusst war. Die Geburt seines Enkels würde für den kommenden August erwartet. Fiktion à la Minority Report?

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NSA-Spion-Schutzbund

Ich bin begeistert. Wer mich kennt, oder wer die Beiträge hier liest, wird wissen, dass ich kein Freund von Facebook bin. Aber man kann sich ja auch irren, wenn es um Nutzungspotentiale geht. Ein 28-jähriger aus Griesheim bekam neulich Besuch von der Polizei, weil er auf Facebook zu einer Spaßaktion aufgerufen hat.
Wir kennen alle die Geschichten der ausufernden Parties, welche auf Facebook öffentlich gemacht werden und Eltern von pubertierenden Kindern Schweißausbrüche bereiten. Die Aktion, zu der Daniel Bangert aufgerufen hat, fand zunächst keine Beachtung. Bis zu dem Tag, als Bangert morgens um 7:17 Uhr von der Polizei geweckt wurde.
Es ging um eine Einladung zu einem gemeinsamen Spaziergang, und zwar zur streng geheimen US-Einrichtung Dagger Complex bei ihm in Griesheim. Die Wanderung sollte einen naturkundlichen Beobachtungsgang als Hintergrund haben, bei dem man „gemeinsam den bedrohten Lebensraum der NSA-Spione erforschen wolle“.
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Jeder will beschissen werden

Ich erinnere mich an einen Gast in einer Latenight Talkshow, der seinerzeit mittels Schwefelhexafluorid seine Stimme annähernd auf das Niveau der Hupe des Kreuzfahrers Queen Mary II herabsenkte (naja, nicht ganz und ich weiß, das Ding heißt Horn). Anschließend stellte er sich auf den Kopf, um das Gas in seinen Lungen wieder loszuwerden. Der Mann heißt Ranga Yogeshwar. Und er hat es drauf. Seine Fähigkeit Sachzusammenhänge so darzustellen, dass wirklich jedermann sie verstehen kann, ist bewundernswert. Letzte Woche erschien ein Interview mit ihm in der FAZ. Unter dem Titel „Rechnen Sie damit, lebenslang ein Verdächtiger zu sein“ stellt er seine Sicht der Dinge zum Thema Überwachung und Selbstbestimmung von Daten dar.

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Schufabook

Es ist eine Weile her, ja. Die Welt ist voll von Datenschutznachrichten und das macht ein Blog wie dieses nebensächlich. Aber die Meldungen der letzten Tage zur Schufa haben mich dann doch dazu gebracht, mal wieder ein paar Zeilen zu schreiben. Die Berichterstattung zur Schufa und der Ansatz, Facebook und andere soziale Netze für Kreditwürdigkeitsanalysen zu nutzen, ist schon vor Jahren von denen vorhergesagt worden, die wissen, dass technische Möglichkeiten Begehrlichkeiten wecken. Wenn damals darauf hingewiesen wurde, dass nur die Vermeidung von Datenverarbeitung wirksamen Datenschutz möglich macht, wurde das vielfach mit den Worten kommentiert: Wer nichts zu verbergen hat … bla bla bla. Sie kennen das alle. Aber: Continue reading

4. Records Management Konferenz

Unter dem Motto: Records Management im Zeitalter von Web 2.0 findet am 09.-10- März in Zürich die 4. Records – Management – Konferenz statt, zu der unser Kollege Bruno WIldhaber herzlich einlädt. Aus der EInleitung zur Konferenz:

Im Herbst 2009 fanden sich letztmals über 100 Vertreter aus der Industrie, der Dienstleistungsbranche, öffentlicher Verwaltungen, Hochschulen und Lösungsanbietern zusammen, um sich mit aktuellen Fragestellungen der rechtskonformen Verwaltung und Aufbewahrung von elektronischen Geschäftsdokumenten vertraut zu machen. Die Bewertung durch Teilnehmer und Aussteller war äusserst positiv. Es hat sich gezeigt, dass ein immer grösserer Bedarf an Ausbildung und Vermittlung von Wissen besteht. Aus diesem Grund bieten wir in diesem Jahr eine eintägige Schulungsveranstaltung an, welche in Kombination oder einzeln gebucht werden kann.

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