Sascha Lobo und die Liebe zur Bombe

Ein im „Das Magazin“ in der Schweiz erschienener Artikel über Psychometrie, die damit mögliche Wählermanipulation und die Wahl von Donald Trump zum Präsidenten der USA ist offenbar in aller Munde und wird heiß diskutiert. Heute abend stolperte ich über den Kommentar von Sascha Lobo dazu. Seine Artikel lese ich in der Regel mit höchstem Interesse und ich halte Herrn Lobo für einen der wenigen, die einer „VerSpiegelung“ der Gesellschaft entgegenwirken können. Als mir der Gedanke kam, dazu diesen Artikel zu schreiben, musste ich zuerst darüber sinnieren, dass der auch von Leuten gelesen werden könnte, die unsicher, ängstlich und leicht zu manipulieren sein könnten. Aber womöglich ist das ein Grund für Sascha Lobo, die Angelegenheit zu verharmlosen. Denn auch Journalisten haben einen öffentlichen Auftrag, je nachdem für wen sie schreiben. Und die Lämmer sollen gefälligst schweigen.

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98 Datenfelder

Wussten Sie, dass Facebook jede andere Webseite, die Sie besuchen, sehen kann, wenn Sie bei Facebook eingeloggt sind? Und nicht nur das. Selbst wenn Sie nicht eingeloggt sind, bekommt Facebook jede Menge Informationen über Ihr Surfverhalten, weil es bei jedem Aufruf einer Seite, die mit einem “like-” oder “share-” button versehen ist, alarmiert wird. Liest sich dramatisch, aber “The Washington Post” schreibt tatsächlich “alerted”.
Doch dazu später. Erst möchte ich Ihnen von einer Studie zur “digitalen Selbstvermessung” berichten. … Ja, ich weiß. Wenn ich Sie wäre, wäre ich jetzt wahrscheinlich auch schon genervt und würde nicht weiterlesen. Studie? Selbstvermessung? …  Das ist wie “Vorratsdatenspeicherung” oder “Entsorgungspark”, was nichts anderes bedeutet als “Überwachung von Jedermann” oder “Müllkippe”. Euphemismen, die zur Verblendung oder Verharmlosung dienen. Digitale Selbstvermessung beschreibt die unbewusste Zulieferung von Gesundheitsdaten an Unternehmen und Personen, die man nicht kennt, damit diese Unternehmen und Personen sich daran bereichern können.
Ich verspreche, es wird spannend. Trotz der Begrifflichkeiten.

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Neues aus Lummerland

Unglaublich und doch wahr: Es gibt Menschen, die sind noch paranoider als ich. Eine gute alte Freundin von mir, die nebenbei bemerkt aus Datenschutzgründen die Kamera an ihrem Laptop mit einem Post-It abklebt, erzählte mir neulich von einem Dilemma, das sie mit ihrem iPhone 4 hatte.
Ihre grundsätzliche Verweigerung iTunes für die volle Bandbreite des Gerätes zu nutzen, mag neben der nachlassenden Akkuleistung mit ein Grund dafür gewesen sein, dass das gute Stück wegen der fehlenden Upgrades allmählich den Geist aufgegeben hat. Ihr Chef wollte dem Abhilfe leisten und sponserte ein nagelneues iPhone 6s. Und um die Daten von dem alten Gerät auf das neue zu übertragen, hat sie es tatsächlich geschafft, die Apple-Leute zu überreden ihr diesen Gefallen zu tun. Ohne dass sie einen iTunes-Account dafür anlegen musste. Geht auch ohne digitale Seele, könnte man jetzt sagen. Man muss nur hartnäckig sein und sich nicht von der Masse treiben lassen.
Ein paar Tage später bekam ich von ihr unter dem Kommentar *schüttel-mit-dem-kopf* einen Link zu einem Artikel in der Digitalausgabe der Bildzeitung. Das erste, was ich zunächst zu sehen bekam, war eine leere Seite mit der ULR: Warum sehe ich bild.de nicht…

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Wer sich nicht wehrt, lebt verkehrt

Kurt Tucholsky schrieb einst über einen Pfarrer, der zu einem im Sterben liegenden Versicherungsmakler kam. Letzterer zeichnete sich sein Leben lang dadurch aus, ein schlechtes Schaf der Kirche gewesen zu sein. Nach seinem Gespräch mit dem Pfarrer starb der Makler, ungläubig, wie er gelebt hatte. Aber der Pfarrer ging versichert von dannen.
Wenn wir über Versicherungen reden, müssen wir ein wenig weiter ausholen, um zu verstehen, um wie viel teuflischer dieses Gewerbe heute ist, und noch mehr zu werden droht, als es bereits ist. Wenn es dazu nicht schon zu spät ist.

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Jeder will beschissen werden

Ich erinnere mich an einen Gast in einer Latenight Talkshow, der seinerzeit mittels Schwefelhexafluorid seine Stimme annähernd auf das Niveau der Hupe des Kreuzfahrers Queen Mary II herabsenkte (naja, nicht ganz und ich weiß, das Ding heißt Horn). Anschließend stellte er sich auf den Kopf, um das Gas in seinen Lungen wieder loszuwerden. Der Mann heißt Ranga Yogeshwar. Und er hat es drauf. Seine Fähigkeit Sachzusammenhänge so darzustellen, dass wirklich jedermann sie verstehen kann, ist bewundernswert. Letzte Woche erschien ein Interview mit ihm in der FAZ. Unter dem Titel „Rechnen Sie damit, lebenslang ein Verdächtiger zu sein“ stellt er seine Sicht der Dinge zum Thema Überwachung und Selbstbestimmung von Daten dar.

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Warum ich Datenschützer bin

Wer wie ich beruflich damit befasst ist, die Welt der Informationsverarbeitung ein bisschen sicherer zu machen, geht in diesen Tagen, da Prism und Tempora die Schlagzeilen bestimmen, durch ein Wechselbad der Gefühle. Einerseits freue ich mich, dass Themen des Datenschutzes wenigstens vorübergehend solche Aufmerksamkeit erregen. Andererseits frage ich mich, ob es am Ende nicht doch nur der Kampf des Don Quijote gegen die Windmühlen ist, wenn ich im beruflichen wie privaten Umfeld mit einer gewissen Sturheit die Ziele der Informationssicherheit vertrete. Bisher nahm ich den Gegner immer wahr als jemanden, mit dem man ein Duell auf Augenhöhe führen konnte. Nennen wir ihn „den Hacker“. Aber ich werde gerade unsanft daran erinnert, dass mein Gegner in Wahrheit viel größer ist: die versammelte „intelligence“ dieser Welt. Nettes Wortspiel übrigens. Ist es nicht albern, wenn der kleine Informatiker, der ich bin, sich diesem Kampf stellt? Ist das überhaupt mein Job, meine Kompetenz?

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Da legst di nieder

Bayern kochen oftmals ihr eigenes Süppchen und liegen bei Persönlichkeitsrechten, Freiheit und ähnlichem Firlefanz unerfreulich häufig auf einer ähnlichen Linie wie unser Bundesinnenminister. Insofern verwundert die Meldung kaum, dass das LKA Bayern ein System zur genauen Handyortung präsentierte. Die Begründung? Man benötigt die Daten vor allem zur Bergung von Unfallopfern in entlegenen Gebieten und bei der Suche nach Vermissten. Aber birgt nicht etwa in allzu unwegsamem Gelände die Bergwacht Verletzte? Und dann wird man hellhörig …

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Drogensüchtige der Alpenrepublik, vereinigt euch

Zugegeben: Dass Heise ausgerechnet am 11.11. meldet, Österreich wolle Drogenkonsumenten in Datenbanken erfassen, nährt den Verdacht: Stoff für eine Büttenrede. Aber dem ist nicht so. Vielmehr wollen die Österreicher offenbar ihre Topposition in punkto landesweite Datenpannen ausbauen. Schließlich birgt der neueste Geistesblitz aus der Alpenrepublik das Potential für ernstzunehmende Eingriffe in Persönlichkeitsrechte und Daten-Supergaus.

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Die Bertelsmann-Connection

Der von seinen Kritikern auch „Berserker des Dokumentarfilms“ betitelte Michael Moore beschreibt in seinem Film SICKO, dass ein Asthmaspray in den USA mehr als einhundert Dollar kostet, dieses jedoch in Kuba in der Apotheke für 5 Cent zu bekommen ist. Kuba und die USA zeichnen sich nun schon eine ganze Weile durch politische Gegensätze aus, ein Vergleich der medizinischen Versorgung auf diesem Level ist polemisch und hinsichtlich der Gesundheit einer Bevölkerung wenig aussagekräftig. Es dürfte aber jedem, der die Tagesschau sieht, klar sein, dass im Gesundheitswesen eine Menge Geld verdient wird. Dieser Markt unterliegt Veränderungen, die auch für einen Datenschützer interessant sind. Am Anfang steht eine lange Kette von Verflechtungen, die für die Mitbürger in diesem unserem Land nicht nur wirtschaftliche Nachteile nach sich zieht. Es fängt an mit einem Kaffeekränzchen unserer Kanzlerin und beschreibt den Einbruch von Wirtschaftsunternehmen in gemeinnützige Bereiche, der uns zu zahlenden Dummen macht, ohne dass der Staat eingreift.

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Haftpflichtversichert?

Die Schutzgemeinschaft für allgemeine Kreditsicherung, kurz SCHUFA, hat den Geschäftszweck, ihre Vertragspartner vor Kreditausfällen zu schützen und nach Meinung der SCHUFA selbst trägt sie zudem zum Schutz der Verbraucher vor Überschuldung bei. Zu diesem Zweck erfasst sie nach eigenen Angaben folgende Daten: Name, Geburtsdatum, Wohnadresse inkl. ehemaliger Anschriften, Girokonten, Kreditkarten, Telekommunikationskonten, Kredit- und Leasingverträge, Anfragen zur Identität (z. B. Ebay) oder auch von Inkassodienstleistern nach der Bonität („Ist da was zu holen?“). Keine Informationen hat sie über Vermögensverhältnisse, dem Einkommen, oder allen Verbindlichkeiten. An der letzten Position wird gearbeitet. Nicht zwingend durch die SCHUFA selbst, sondern durch jene, die Gefallen am Scoring einer Person finden, wie zum Beispiel verschiedene Vertreter des Versicherungsgewerbes.

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Es ist was faul im Staate …

Baden-Württemberg fordert schärfere Gesetze gegen den Datenhandel. Uupps, haben die Mutplätzchen gefrühstückt oder bewusstseinserweiternde Substanzen konsumiert? Sicher, nach den sich häufenden Meldungen über den missbräuchlichen Umgang mit Kundendaten war eine Reaktion aus Politikerkreisen nötig. Doch so weit, wie sich die Schwaben nun aus dem Fenster lehnen, riskieren sie glatt einen Nasenstüber aus Berlin.

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Voyeure auf Rädern

Heute präsentieren wir Ihnen ein Rezept für ein schmackhaftes Gericht namens Street View. Bei der Zubereitung sollte man äußerste Vorsicht walten lassen, da es andernfalls zu Reizungen der Speiseröhre oder des Magen-Darm-Trakts kommen könnte.

Man nehme:

  • den Marktführer in Sachen Internet-Suchmaschinen
  • mehrere Autos (in Deutschland schwarze Astras mit Hamburger Nummer)
  • High-Tech-Kameras (die im 2-Sekunden-Takt hochauflösende Bilder für Panoramaaufnahmen liefern)
  • eine entspannte Haltung im Umgang mit der Privatsphäre anderer

Zubereitung:
Zunächst lässt man den Suchmaschinen-Monopolisten eine zusätzliche Funktion seines Kartendienstes Google Maps entwickeln: den Karten-Bilderdienst Street View (mehr dazu hier). Hierbei ist streng darauf zu achten, dass man die Privatsphäre seiner Mitmenschen nicht zu ernst nimmt.

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