Teufelswerk hat einen Namen

Am Tage ihrer Hochzeit ist Angie L. 42 Jahre alt und lebt in einer außereuropäischen Großstadt. Ihre für Landesverhältnisse doch recht späte Hochzeit verkündetete sie mit einem Profilfoto auf Facebook, das lediglich ihren Ringfinger zeigte, verziert mit einem Verlobungsring, der aufgrund der Größe des Diamanten nur zu erahnen war. Zur Hochzeit bekam sie von ihrem fürsorgenden Ehemann einen Jeep Rubicon geschenkt. 282 PS, wüstentaugliche Vollausstattung, mit Navi und Schnorchel, damit sie auch bei einer recht unwahrscheinlichen Überflutung des Stadtgebiets sicher zum Einkaufszentrum und wieder nach Hause kommt.
Wenige Wochen, nachdem sie unter fleißiger Nutzung von WhatsApp und SMS dauerbremsend und stauverursachend durch die Stadt geschlichen war, stellte sie fest, dass ihre Bremse merkwürdig reagiert. Ein starkes Zittern des Bremspedals veranlasste sie dazu, einen Bekannten zu fragen, ob er das Auto probefahren könne, was dieser in einem recht hügeligen Stadtteil dann auch tat. In einer Art, wie man üblicherweise einen Jeep fährt. Speedbumps sind kein Hindernis, Schlaglöcher nimmt man mit einem Lächeln und Kurven sind zum Driften da.

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Sie können ja zu Hause bleiben

Kürzlich saß ich zur Beantragung eines neuen Reisepasses einer Mitarbeiterin im Kundenzentrum des Hamburger Bezirksamtes gegenüber. Vor dem Hintergrund eines gewissen Unmutes meinerseits über die Funktionen des maschinenlesbaren e-Pass, kamen wir ins Gespräch und sie teilte mir mit, dass es auch früher schon biometrische Merkmale im Reisepass gegeben hätte. Eine ältere Dame hätte sich jüngst auch im Gespräch mit ihr sehr gut daran erinnern können, dass im dritten Reich Fingerabdrücke im Reisepass üblich waren. Das wäre also nichts Neues.

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Ihren Fingerabdruck, bitte!

… nölt eine unfreundliche Kassiererin (eventuell das Wort „bitte“ streichen). In einigen Edeka-Läden hört man das schön länger. Da Bezahlen per Fingerabdruck aber das neue Lieblings-Experimentierfeld des Handels zu sein scheint, zieht nun auch der Handelsriese Metro nach – und er geht sogar weiter. Nämlich in seinem neuen „Future-Store“ – welch vielversprechenden Begriff sich die PR-Abteilung da aus der Rippe geleiert hat … Der „Future-Store“ steht in Tönisvorst bei Krefeld und hier ist die Zukunft eingekehrt. In diesem Real-Markt können Testkunden Waren mit Handys einkaufen und via Fingerabdruck zahlen: Finger auf den „Scanner“ und rund gehts auf der EC-Karte. Bei diesem Verfahren dürften unfreundliche Kassiererinnen bald der Vergangenheit angehören – Sie werden schlicht überflüssig. So reizvoll die Vorstellung sein mag: Wohin führt sie?

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Schäubles Fingerabdruck

Dr. Wolfgang Schäuble hat nichts zu befürchten. So zumindest seine Äußerung gegenüber der Zeit, nachdem der CCC eine Attrappe von Schäubles Fingerabdruck in der Hauszeitschrift des CCC „Die Datenschleuder“ veröffentlicht hat. fingerEin Sympathisant des CCC hatte Schäubles Fingerabdruck gesichert; er war auf einer öffentlichen Veranstaltung an ein Glas gelangt, aus dem der Minister getrunken hatte. Das Thema ist für den CCC nicht neu. Bereits 2004 hatte der Verein eine Anleitung veröffentlicht, wie „mit einfachsten Mitteln Fingerabdrücke kopiert und nachgebildet werden können.“

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James Bond am Münchner Flughafen

Wer glaubt, Iris-Scanner kämen nur in Mission: Impossible, James Bond oder ähnlich „realitätsnahen“ Filmen vor, irrt – und zwar gewaltig. Wie Heise kürzlich berichtete, will die Bundesregierung Iris-Scanner nun auch am Flughafen München einsetzen. Auch?! Ja, auch … Denn vor ca. drei Jahren startete ein Pilotprojekt zur „Automatisierten Biometriegestützten Grenzkontrolle“ (kurz ABG) am Frankfurter Flughafen. Hier wurde ein Verfahren getestet, bei dem die Iris der Passagiere mit einem zentral gespeicherten Template abgeglichen wird.

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Grenzüberschreitendes

Die Häufigkeit des Begriffs „Überwachungsstaat“ in der hiesigen Themensammlung könnte den Eindruck entstehen lassen, dass dies im MISSIONSBLOG einen Schwerpunkt bildet. Nun, das ist z. Zt. leider so und es wäre zu begrüßen, wenn das Thema kleiner und durch andere Inhalte ersetzt werden könnte, die weniger weitreichende Eingriffe in die Bürgerrechte beinhalten. Aber es reißt ja nicht ab.

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Die EU will das Unmögliche

Laut Telepolis sollen im neu eingerichteten „European Security Research and Innovation Forum“ (ESRIF) Politiker, Beamte, Lobbyisten, Geschäftsleute und andere „Stakeholder“ Pläne diskutierten, die laut Kommissar Günter Verheugen „unsere Gesellschaften fundamental verändern“ können. Er und sein Kollege Franco Frattini von der Berlusconi-Partei Forza Italia stellten das Forum am symbolträchtigen 11. September vor.
Durch das Forum wolle man, so Verheugen, mit der Öffentlichkeit in einen „tragfähigen Dialog“ über den „Preis“ der Freiheit eintreten. Ein Plenum von 50 bis 70 Personen soll eine „zufriedenstellende“ Vertretung aller „Stakeholder“ ermöglichen, die dann relativ abgeschirmt vom Lichte der Öffentlichkeit Pläne entwickeln und Gelder verteilen. Continue reading

Pilotprojekt des BKA zur Foto-Fahndung

Das Bundeskriminalamt verabschiedet sich nach völlig unzureichenden Ergebnissen eines Pilotprojekts von der geplanten Einführung der Foto-Fahndung mit der 2D-Gesichtserkennung.
In der anhaltenden Diskussion um biometrische Fahndungsmethoden hat ein Pilotprojekt des Bundeskriminalamts recht ernüchternde Ergebnisse gebracht. In einem rund viermonatigen Test am Mainzer Hauptbahnhof wurde eine 2D-Gesichtserkennung unter Praxisbedingungen überprüft und brachte dabei nur völlig unzureichende Ergebnisse. Continue reading

Schäuble wirft Datenschützer Unsinn vor

Bei einer Diskussionsrunde über den Schutz der Freiheit durch den Staat im Rahmen des ersten europäischen Datenschutztages beklagte der sachsen-anhaltinische Landesdatenschutzbeauftragte Harald von Bose „es kommt nicht mehr darauf an, ob man etwas zu verbergen hat oder nicht, sondern darauf, wenn der Präventionsstaat alle Daten abgreift. So könne der Generalverdacht Alltag werden, mit gravierenden Auswirkungen auf die Ausübung der Grundrechte.“ Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble warf dem Datenschützer daraufhin vor, „Unsinn“ zu reden. Natürlich müsse das Grundrecht auf informationelle Selbstbestimmung genauso geschützt werden wie jedes andere auch. Es gebe aber „ein zunehmendes Spannungsverhältnis mit der Sicherheit“. Continue reading

Bundesmelderegister und Zugriff auf Passfotos

Auch zu den Bemühungen des Bundesinnenministers, die Sicherheit im Lande zu erhöhen, gibt es Neuigkeiten. Bei Datenschützern und auch den Oppositionsparteien stoßen die geplanten Änderungen des Passgesetzes auf Widerstände, mit dem das Bundesinnenministerium den Zugriff auf die bei den Meldeämtern gespeicherten Passbilder erweitern und später auch auf die hier gespeicherten Fingerabdrücke ausdehnen will. Auch die Pläne für ein zentrales Melderegister werden von Datenschützern vehement abgelehnt. Continue reading