Wir finden dich

Wieder so ein Abend im Leben eines heimatlosen Beraters: Ich allein in einem nicht weiter erwähnenswerten Hotel in einem nicht weiter erwähnenswerten Ort. Da ist die Fernbedienung fast überlebenswichtig. Gut, für viele Zeitgenossen gilt das immer. Ich selbst sehe kaum noch fern. Mein Leben ist zu kurz, um es mit Trash-TV von der medialen Resterampe zu verschwenden. Zur Strafe für diese Konsumverweigerung kann ich mancher leidenschaftlich geführten Diskussion weniger anspruchsvoller Zeitgenossen nicht folgen, und die Schlagzeilen jener Gazetten, die mit 10 Buchstaben eine halbe Seite füllen, sind für mich oft kryptisch, weil ich die Schicksale von C-Promis so gar nicht verinnerlicht habe. Doch ein Abend wie heute eröffnet die Chance auf ein Bildungsupdate.

Dramatische Musik erklingt, Pauken und Posaunen. „Du wirst beobachtet!“, höre ich. „Die Regierung hat dafür ein geheimes System. Eine Maschine, die dich ausspioniert, rund um die Uhr, jeden Tag. Ich weiß das, weil ich sie entwickelt habe. Sie war dafür gedacht, Terroranschläge aufzudecken, aber sie sieht alles. Gewaltverbrechen, in die normale Menschen verwickelt sind, Menschen wie du. Verbrechen, die für die Regierung irrelevant sind. … Du wirst uns niemals finden. Aber ob Täter oder Opfer: wenn deine Zeit gekommen ist, finden wir dich.“

„Welcher Whistle-Blower plaudert denn da gerade wieder aus dem Nähkästchen der Geheimdienste befreundeter Staaten?“, denke ich. Aber, huch, was bin ich schon paranoid. Es ist nur der Trailer der TV-Serie „Person of Interest“. Und weil das Fernsehen ist, ist die ganze Geschichte natürlich frei erfunden. So was gibt es doch in Wirklichkeit gar nicht. Sollte man meinen.