NSA-Spion-Schutzbund

Ich bin begeistert. Wer mich kennt, oder wer die Beiträge hier liest, wird wissen, dass ich kein Freund von Facebook bin. Aber man kann sich ja auch irren, wenn es um Nutzungspotentiale geht. Ein 28-jähriger aus Griesheim bekam neulich Besuch von der Polizei, weil er auf Facebook zu einer Spaßaktion aufgerufen hat.
Wir kennen alle die Geschichten der ausufernden Parties, welche auf Facebook öffentlich gemacht werden und Eltern von pubertierenden Kindern Schweißausbrüche bereiten. Die Aktion, zu der Daniel Bangert aufgerufen hat, fand zunächst keine Beachtung. Bis zu dem Tag, als Bangert morgens um 7:17 Uhr von der Polizei geweckt wurde.
Es ging um eine Einladung zu einem gemeinsamen Spaziergang, und zwar zur streng geheimen US-Einrichtung Dagger Complex bei ihm in Griesheim. Die Wanderung sollte einen naturkundlichen Beobachtungsgang als Hintergrund haben, bei dem man „gemeinsam den bedrohten Lebensraum der NSA-Spione erforschen wolle“.

Wie nach den Erkenntnissen der letzten Wochen zu erwarten ist, ging die Einladung nicht an der amerikanischen Administration vorbei. Da die Jungs und Mädels mit den Schlapphüten in Deutschland keine Amtsgewalt haben, wurden deshalb die deutschen Behörden informiert. Und die plietschen Jungs von der Polizei sind tatsächlich losmarschiert. 5 Tage nachdem Bangert die Einladung gepostet hat, bekam er also Besuch, u.a. vom Staatsschutz. Damit ging es erst richtig los. Bangert hat sich nicht einschüchtern lassen und eine Demonstration organisiert. Vermutlich wird er bei einer zukünftigen Einreise in die USA richtig Ärger bekommen, aber durch die Tagespresse wie SpiegelFAZ und ein paar namhafte andere redet mittlerweile ganz Deutschland darüber. Und das ist gut so. Deshalb möchte auch ich hier meine Zustimmung äußern. Eine tolle Sache. Facebook als Portal für Zivilcourage und jemand der keine Angst vor Drohnen hat. Vor allem eine Frage habe ich: Wo bekomme ich so ein T-Shirt?

Griesheimer gerät ins Visier der NSA

Update, 22.July.

Die Aktion findet weitere Beachtung und die nächste Wanderung fand am letzten Samstag statt. N24 war dabei und berichtet von 400 Leuten, die am NSA-Zaun ein Picknick veranstaltet haben. Die Truppe um Daniel Bangert spricht von 500, aber 100 mehr oder weniger macht ja nichts. Medienwirksam ist das allemal. Ich bin leider zu weit weg, um dabei zu sein und ein Foto von mir vor dem Zaun würde in meiner NSA-Akte sicher gut zu meinem Profil passen. George W. Bush hat es nach 9/11 deutlich gemacht: Wer nicht für uns ist, ist gegen uns. OK, ich bin dagegen. Aber das mehr aus einem Zitat heraus, das aus einem Interview in der Zeit mit Altkanzler Helmut Schmidt stammt:

Das sind arme Schweine [Gemeint sind die Schlapphüte, insbesondere der BND] Die leiden unter zwei psychischen Krankheiten: Die eine Krankheit beruht darauf, dass sie für das, was sie tatsächlich leisten, niemals öffentliche Anerkennung bekommen. Es ist unvermeidlich so, sie müssen ja im Verborgenen arbeiten. Das deformiert die Seele. Die andere Krankheit beruht darauf, dass sie tendenziell dazu neigen, zu glauben, sie verstünden die nationalen Interessen des eigenen Landes viel besser als die eigene Regierung. Diese letztere Krankheit ist der Grund dafür, dass ich ihnen nicht traue. 

Update 25. Februar 2014

Man könnte den Eindruck gewinnen, es sei ruhig geworden um den NSA-Spion-Schutzbund. In den allgemeinen Medien findet sich kaum noch etwas über den Griesheimer „Naturforscher“. Aber weit gefehlt. Die Gruppe um den seinerzeit von der deutschen Polizei Verhörten ist weiterhin aktiv. Man lese und staune

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