Schufabook

Es ist eine Weile her, ja. Die Welt ist voll von Datenschutznachrichten und das macht ein Blog wie dieses nebensächlich. Aber die Meldungen der letzten Tage zur Schufa haben mich dann doch dazu gebracht, mal wieder ein paar Zeilen zu schreiben. Die Berichterstattung zur Schufa und der Ansatz, Facebook und andere soziale Netze für Kreditwürdigkeitsanalysen zu nutzen, ist schon vor Jahren von denen vorhergesagt worden, die wissen, dass technische Möglichkeiten Begehrlichkeiten wecken. Wenn damals darauf hingewiesen wurde, dass nur die Vermeidung von Datenverarbeitung wirksamen Datenschutz möglich macht, wurde das vielfach mit den Worten kommentiert: Wer nichts zu verbergen hat … bla bla bla. Sie kennen das alle. Aber: Plötzlich und unerwartet stellen Leute, die täglich ihre Befindlichkeiten auf Facebook dokumentieren, fest, dass auch andere Interesse daran haben als die, die man in seiner „Freundesliste“ führt, obwohl der eine oder andere sicherlich Zweifel daran hat, ob die „Freunde“ wirklich wissen wollen, dass beispielsweise der morgendliche Gang zur Toilette erfolgreich war. Ich will nicht sagen „Geht´s noch?“, aber das trifft es besser als jede Umschweife über solche Verhaltensmuster.

Man kommt nicht umhin zu fragen, ob Menschen wirklich nicht verstehen, dass ein Telefon, ein Laptop, ein Handheld oder was auch immer zur Internetnutzung oder zur Mitteilung von Informationen, die niemand wirklich wissen will (außer vielleicht die Schufa) geeignet ist, nicht nur ein Fenster zur Welt bedeutet, sondern auch umgekehrt funktioniert. Mit dem Unterschied, dass man die, die einen beobachten oder durch das Zusammentragen von Informationen profilieren, nicht sieht.

Ich will nicht sagen, selbst schuld. Es läge am einzelnen die bestehende Gesetzeslage zu verstehen und das BDSG ist schon in der Vergangenheit vielfach nicht als Datenschutzgesetz sondern als Datenverarbeitungsermächtigungsgesetz verstanden worden. Vereinfacht ausgedrückt ist die Verarbeitung personenbezogener Daten erlaubt, wenn es dazu eine Einverständniserklärung derer gibt, die als Betroffene bezeichnet werden, oder eine gesetzliche Grundlage die Daten verarbeitende Stelle dazu ermächtigt. Politiker, die sich heute anstellen, die Schufa zu kritisieren und nach einem gesetzlichen Verbot solcher Machenschaften rufen, sind nahezu lächerlich. Insbesondere die CSU – Vertreterin Ilse Eigner sollte sich einmal mit der Frage beschäftigen, wieso sie zur Schufa – Frage die Position vertritt, die Schufa dürfe nicht zum Big Brother des Wirtschaftslebens werden, bei der Vorratsdatenspeicherung von Seiten der CSU aber schärfste Kritik an Sabine Leutheusser-Schnarrenberger geübt wird, wenn diese sich gegen eine nationale Umsetzung der EU-Richtlinie zur Vorratsdatenspeicherung stellt. Hier heißt es dann Frau Leutheusser – Schnarrenberger sei ein Sicherheitsrisiko. (Ist sie nicht, liebe Leser. Die Frau hat Rückgrat und ist eine der ganz wenigen, von der man das sagen kann.) Soll man jetzt annehmen, der Staat hätte ein Schnüffelprivileg, das anderen nicht zugestanden wird? Scheinbar soll das anders verstanden werden. Dem Staat soll man trauen, der Schufa nicht?

Der wesentliche Unterschied hier ist, dass ein Staat seine Bürger auf Basis eines Gesetzes beschnüffeln kann, die Schufa hingegen mit dem Kompromiss leben muss, dass sie von Daten abhängig ist, die ihr von zivilen Einrichtungen zugeliefert werden oder aus öffentlichen Quellen stammen.

Jetzt muss man nur noch verstehen, dass soziale Netze als öffentliche Quellen verstanden werden können und die Eingabe von persönlichen Daten mit einem Einverständnis des Nutzers verbunden sind. Wer lesen kann ist klar im Vorteil, was vor allem die wissen, die sich mit den Datenschutzerklärungen von Facebook beschäftigt haben. Zugegeben, es ist mühselig. Aber wer sich heute hinstellt und sagt Moral sei ein Selbstverständnis und könne von jenen, die technische und rechtliche Möglichkeiten haben, erwartet werden, hat nicht verstanden, dass Moral käuflich ist. Meine Häme in diesem Zusammenhang gilt insbesondere den Gierigen, die glaubten mit einem Einstiegskurs von 38 $ Kasse machen zu können und Facebook nun unter Druck setzen werden, damit die Verluste wieder ausgeglichen werden. Facebook steht zu Recht in der juristischen Kritik. Und der Staat hat die Pflicht seine Bürger zu schützen. Also wird Facebook verboten? Und der Schufa damit die Grundlage für eine Einbindung des sozialen Umfelds entzogen?

Liebe Leser, der Zug ist abgefahren. Das Beispiel CSU macht deutlich, dass die hier vorherrschende Doppelmoral längst Einzug in den Alltag gehalten hat. Wer nicht möchte, dass die Schufa Informationen dieser Art sammelt, kann sich nur selbst schützen und im Umgang mit den eigenen Daten immer die Frage stellen, was wird in 10 Jahren sein?

Eine für die Schufa sicher interessante Vision. Schnittstellen zu Datenbanken von Banken, Versicherungen, Kundenkartensystemen wie z.B. Payback oder der Deutschlandcard, der Schwarzen Liste des GdV sowie sozialen Netzen. Fotos, Gesichtserkennung, Interessen und gesundheitliches Befinden gleich mitgeliefert. Wenn man es positiv sieht, wird es in Zukunft sehr viel einfacher. Die Schufa ist bekannt für ihre Adressqualtiät und wird sicherlich auch schon Konzepte bereit halten, welche Potentiale sich mit einer Vermengung der Facebook Daten ergeben. Welcher Banker würde sich nicht freuen, wenn die hauseigenen Kameras mit den Facebook Fotos verbunden wären und eine Gesichtserkennung in Sekunden den zum Kundenprofil passenden Berater mobilisiert. OK, die Schufa verlangt Geld für solche Auskünfte, aber das kann man mit den Informationen, die von der Schufa geliefert werden, auch wieder verdienen. Zu weit entfernt von der Realität? Fragen Sie doch mal bei der HASPA nach, welche Kategorie für Sie dort in der „Sprache des Kunden“ vorgehalten wird…

Schöne neue Welt. Wenn vor 4 Jahren über Beiträge wie diesen hier oder hier noch geschmunzelt wurde, weil Datenschützer ja Schwarzseher sind, sieht das heute vielleicht ein bisschen anders aus.