Risk Management: Was uns das BP Desaster lehrt

Information Risk Management ist eine Disziplin, die ich als nicht beherrschbar betrachte, da wir es immer mit einem komplexen Systemumfeld zu tun haben. Ob dem nun so ist oder nicht soll an dieser Stelle offen gelassen werden. Zu denken geben Ereignisse, die wir als besser beherrschbar einschätzen würden. Wer hätte damit gerechnet, dass auf einer Oelbohrinsel so fundamentale Fehler gemacht werden konnten, wie auf der Deep Water Horizon? Die Antwort ist einfach: Jeder, der sich schon einmal mit Risk Management auseinander gesetzt hat!

Denn was auf der Bohrinsel passierte, ist symptomatisch für den fahrlässigen Umgang mit Risiken:

  • Die externen Experten raten dem BP – Management, mindestens 3 Bohrungen parallel nach unten zu treiben, um den Druck besser kontrollieren zu können
    • –>  Es wurde nur eine Bohrung durchgeführt
  • Die Experten sagten, dass wenn man nur eine Bohrung machen würde, müsste die Zementierung besonders sorgfältig durchgeführt werden, d.h. unter der Verwendung von 21 sogenannten „Centralisers“. Dies wurde von mehreren Contractors vorgeschlagen, denn das Oelbohrgeschäft ist ein typisches „Outsourcing-Business“
    • –> Eingesetzt wurden 6
  • Als die ersten Probleme auftraten, wurden diese konsequent heruntergespielt, bis die Plattform explodierte
  • Seit Jahren führt BP die Hitparade über grob fahrlässige und fahrlässige Aktionen im Golf an
  • Die Kommunikation in der Krise war geprägt durch Arroganz und Ignoranz sowie gegenseitigen Schuldzuweisungen
  • Die Aufsichtsbehörde war korrupt

Folge: Es wird damit gerechnet, dass BP entweder übernommen wird oder zumindest schwer geschädigt aus dem Prozess herausgeht.

Welche Lehren lassen sich aus dem Ereignis ziehen:

  1. In einem Geschäft mit verschiedenen Partner wird die Verantwortung permanent hin- und hergeschoben, das nützt aber am Ende der verantwortlichen Firma nichts.
  2. Prävention wird gemacht, aber das notwendige Monitoring wird völlig vernachlässigt.
  3. Die Leute auf der Bohrinsel habe ihren Job vermutlich gut gemacht, das notwendige Reporting über Probleme wurde aber durch Management geblockt.
  4. Es herrscht eine Mentalität des „Fehler bezahlen“ anstelle der korrekten Erbringung der Leistung (Ähnlichkeiten mit IT-Outsourcern sind rein zufällig).
  5. Wenn das Management nur gewinnorientiert ist gehen alle anderen Stakeholder „den Bach runter“.

Fazit: Risiken wirklich im Griff zu haben kann nur ein Unternehmen mit:

  • einem verantwortungsvollen Management mit nachhaltiger Gewinnorientierung (würde man neudeutsch als „Good Corpora Governance“ bezeichnen).
  • gut geschultem und ausgebildetem Personal und einem vernünftigen Verhältnis zwischen Management und Facharbeitern.
  • konsequenten Monitoring Verfahren und absoluter Konsequenz in der Fehlerverfolgung.
  • möglichst viel Eigenkontrolle und minimalem Outsourcing.
  • einer gut geplanten und eingeübten Kommunikationsstrategie.
  • einem schlanken und einfachen Risk Management, welches sich auf die 5 Hauptrisiken fokussiert.

PS: Wer meint, BP sei besonders schlecht: Alle Ölgesellschaften, welche im Golf operieren, haben keine Vorkehrungen getroffen für den Fall eines unvorhergesehene Ereignisses. Die Industriestrategie war/ist „solche Ereignisse nicht zu haben“.

Quelle: Economist vom 19.6.2010, S. 57

One thought on “Risk Management: Was uns das BP Desaster lehrt

  1. Ich habe mich häufig gefragt, warum gerade der Begriff Nachhaltigkeit, den wir ja eher aus der Forstwirtscahft kennen, inzwischen im Management von vielen Firmen quer durch alle Branchen vermehrt in den Marketingbroschüren finden.
    Das Beispiel BPM macht uns wieder mal sehr deutlich, dass gerade Börsen-notierte Firmen in einem Dilemma bzg. einer Nachhaltigkeit stecken. Es werden hohe Risiken eingegangen, um die Aktionären kurzfristig positiv zu stimmen. Und genau hier ist zu sehen, wie schnell das nach hinten gehen kann, wenn die notwendigen Sicherungsmaßnahmen für ein langfristiges Wirtschaften nicht getroffen werden.

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