Da legst di nieder

Bayern kochen oftmals ihr eigenes Süppchen und liegen bei Persönlichkeitsrechten, Freiheit und ähnlichem Firlefanz unerfreulich häufig auf einer ähnlichen Linie wie unser Bundesinnenminister. Insofern verwundert die Meldung kaum, dass das LKA Bayern ein System zur genauen Handyortung präsentierte. Die Begründung? Man benötigt die Daten vor allem zur Bergung von Unfallopfern in entlegenen Gebieten und bei der Suche nach Vermissten. Aber birgt nicht etwa in allzu unwegsamem Gelände die Bergwacht Verletzte? Und dann wird man hellhörig …

Schließlich verfügt das Landeskriminalamt nun mit der „Datenbank Funkzelleninformationssystem“ über eine Möglichkeit, Personen nahezu exakt orten zu können. Entrinnen praktisch unmöglich – außer durch Ausschalten des Handys.

Im Vergleich zu älteren Systemen kann das nun vom bayerischen Innenministerium vorgestellte System Mobiltelefone bis auf wenige Meter genau orten. Aus Sicht der Polizei eine enorme Verbesserung. Bislang war nur eine funkzellengenaue Ortung möglich, was gerade im ländlich-idyllischen Bayern ein Problem sei: Denn hier könne eine Funkzelle ein Gebiet von mehreren Quadratkilometern abdecken. Das war den freistaatlichen Gesetzeshütern zu wenig, weshalb sie für genauere Daten 20 Streifenwagen mit Messinstrumenten ausgerüstet haben, die während der Dienstfahrten GPS-Daten, Funkzellen-IDs und Signalstärken in den Funkzellen aufzeichnen. Im Gebirge wandern die Geräte im Rucksack der Einsatzkräfte mit.

Meldet nun beispielsweise jemand einen Angehörigen als vermisst, übermittelt der Mobilfunkbetreiber den Behörden die Funkdaten der letzten Verbindung zwischen Handy und Funkzelle. Diese Informationen gleicht die Kripo mit ihrem Informationssystem ab und ermittelt daraus eine recht genaue Position des Handys. Ein Beispiel hatte der Sprecher des Innenministeriums natürlich auch parat: Mit dem Ortungssystem konnte die Polizei einen verunglückten Radfahrer innerhalb einer halben Stunde bergen. Wie lange es ohne gedauert hätte, ist nicht überliefert … In Fällen, in denen der Outdoorsportler nicht gerade sein GPS und sein Handy oder gar das Bewusstsein verloren haben, dürfte die Ortung allenfalls unwesentlich länger dauern. Damit ist dieses Argument nur bedingt haltbar. Bleiben die Vermissten. Wer „eben mal Zigaretten holt“, wird sich vorsorglich seines Handys entledigen. Fällt jemand einem Verbrechen zum Opfer, dürfte die Ortung auch nicht mehr helfen – außer natürlich, der Kriminelle bemächtigt sich des Mobiltelefons und setzt sich der Polizei auf den Präsentierteller.

Zwar soll das System nicht auf andere Bundesländer ausgeweitet oder in anderen Bereichen wie der Bekämpfung von Krimininalität eingesetzt werden. Aber schon in der Bibel hieß es: Selig sind die geistlich Armen … Und man weiß ja um den Wahrheitsgehalt dieses Textes. Bleibt abzuwarten, wozu die Daten letztlich noch genutzt werden – eifersüchtige Partner, Versicherungen, Arbeitgeber etc. dürften eine interessierte Zielgruppe bilden.