Patientenakten auf dem Schnäppchenmarkt

Es klingt wie eine Posse. Der Eine deckt vermeintliche Missstände im Geschäftsbetrieb des Anderen auf; der Andere erstattet daraufhin eine Strafanzeige und versucht damit sein eigenes Fehlverhalten zu vertuschen. Betroffen sind zahlreiche Patienten, deren Daten in unmittelbarer Nähe zu einem Schnäppchenmarkt in einer relativ ungeschützten Umgebung einsehbar wurden und teilweise im Internet zu lesen gewesen sind.

Im Internet seien laut einem Bericht bei Heise sechs Seiten aus fünf verschiedenen Patientenakten von Krankenhäusern in Karlsruhe, Offenbach und Hofgeismar „mehrere Stunden abrufbar“ gewesen. Das für die Wahrung der Vertraulichkeit der Unterlagen verantwortliche Unternehmen DMI ist einer der Marktführer in Deutschland bei der Digitalisierung und Entsorgung vertraulicher Akten und zählt laut seinem Geschäftsführer derzeit bundesweit 450 Krankenhäuser zu seinen Kunden, bei denen pro Jahr etwa vier Millionen Patientenakten zur Digitalisierung und Entsorgung anfielen.

Bei dem in der Strafanzeige genannten Beschuldigten soll es sich nach einem Bericht bei Heise um einen Konkurrenten der DMI handeln, der sich vergangene Woche rechtswidrig Zutritt zu einem Archivlager auf dem Gelände der alten Leipziger Messe verschafft haben soll. Dorthin hat die Firma DMI wegen eines offenkundigen Kapazitätsengpasses „für einen begrenzten Zeitraum“ mehrere tausend Patientenakten ausgelagert. Nach den bisherigen Feststellungen hätte der Beschuldigte Teile der auf dem Messegelände lagernden Patientenakten abgelichtet und anschließend ins Internet gestellt, um einen angeblichen Datenskandal über „frei zugänglich gelagerte“ Patientenakten zu enthüllen. Wie heißt es noch? Man treibe den Teufel mit dem Belzebube aus.