Wetten dass?!

Man kann auf vieles wetten: Pferderennen, Zahlen beim Lotto, fallende Börsenkurse. Demnächst sollten pfiffige Buchmacher Wetten auf das Land anbieten, das die meisten Datenschutzpannen produziert. Neu im Rennen um die Plätze auf dem Podest sind die Österreicher. Allein diese Woche haben sie zweimal auf sich aufmerksam gemacht und damit hohes Entwicklungspotenzial bewiesen.

Am Mittwoch meldete heise online einen etwas fragwürdigen Umgang mit den Überwachungsvideos aus der Wiener U-Bahn. Zum einen wurden die Videos anscheinend länger als vorgeschrieben aufbewahrt. Zum anderen sollen die Daten illegal ausgewertet worden sein. Und um der Sache zusätzlichen Pepp zu verleihen, erfassten die Kameras Gebiete, die einzig in den Zuständigkeitsbereich der Polizei fallen.

Ungeachtet dessen sollen aber nicht dafür zuständige Personen die Überwachungsbänder widerrechtlich eingesehen, gespeichert und vervielfältigt haben, nachdem im Dezember vergangenen Jahres ein Fahrgast in einer U-Bahn-Station verletzt wurde. Ein Mitarbeiter leitete zu dem möglichen Datenmissbrauch zwar eine Untersuchung ein, scheiterte jedoch an der Datenschutzbeauftragten. Die hielt eine Meldung an die Datenschutzkommission offenbar für unnötig. Vollends zur Farce gerät die Geschichte jedoch im Weiteren: Als der Mitarbeiter selbst den Vorfall melden wollte, habe man ihn zur Verschwiegenheit verpflichtet. Unabhängig davon, dass die Dame ihren Job erstaunlich lax zu nehmen scheint, sollen die Daten zudem unverschlüsselt und von außen abrufbar verwahrt werden. Wenn das kein gefundenes Fressen ist …

Noch heißer ging es am nächsten Tag in der Alpenrepublik her: Da hieß es, dass die Telekom Austria der Porno-Industrie Nutzerdaten weitergegeben hat. Ausnahmsweise nicht zu Werbezwecken, sondern weil die Kunden den Tauschdienst eDonkey zum Download von Dateien genutzt hatten. Nun zittert der eine oder andere Homo austriacus – und zwar vor den Abmahnschreiben, mit der eine Anwaltskanzlei nun die Alpenrepublik überzieht. Deren Auftraggeber sind deutsche Pornoproduzenten, die ihre Urheberrechte verletzt sehen. Deshalb verlangten die Pornofilmhersteller von der TA Auskunft darüber, welche Kunden welche IP-Adressen wann genutzt haben.

Diese Daten rückte der größte österreichische Telekommunikationsanbieter willig heraus: Man sieht sich aufgrund eines 2005 ergangenen Urteils des Obersten Gerichtshofs dazu verpflichtet. Ob dem so ist und die TA die Daten ohne richterlichen Auftrag weitergeben darf, ist allerdings strittig. Einstweilen flattern aber TA-Kunden, über deren Anschlüsse teils unwissentlich Pornodateien übertragen worden sein sollen, die Abmahnschreiben der Vorarlberger Rechtsanwaltskanzlei ins Haus. Hierin wird eine Pauschale von 790 Euro pro Datei gefordert. Sollten die Angeschriebenen nicht zahlen, drohen ihnen bei einer Klage über 36.000 Euro. Und plötzlich hat man doch was zu verbergen.

Geradezu anachronistisch mutet es da an, dass einer der Schwerpunkte der österreichischen Förderaktion „Netidee“ für Ideen und Projekte rund um das Internet „Sicherheit ins Internet“ lautete. Aber bei der Geschwindigkeit, mit der die Österreicher vorgehen, muss man sich hierzulande wohl langsam Gedanken um unsere Position auf dem Siegertreppchen machen …