Mein Name ist Kermit

Das Hamburger Abendblatt lässt uns wissen, dass die Nutzerprofile von Menschen, die ungewöhnliche Namen haben, im Social Network Facebook unter Umständen ohne Vorwarnung gelöscht werden. Der Australierin Elmo Keep sei durch den Betreiber mitgeteilt worden, sie habe sich nicht mit ihrem echten Vornamen angemeldet, denn Elmo hieße eine Figur aus der Sesamstraße und deshalb sei ihr Profil gelöscht worden. Wenn Sie also zufällig Ken heißen und auf der Suche nach Barbie sind, sollten Sie sich bei Facebook ein Pseudonym zulegen und hoffen, dass Barbie das auch so macht. Ein Pseudonym?

Die hierzulande geltenden Datenschutzbestimmungen weisen aus, dass man sich online auch unter einem Pseudonym, d.h. einem Phantasienamen bewegen kann. Diese Rechte gehen so weit, dass es sogar einen Auskunftsanspruch zu den unter dem Pseudonym durch den Provider verarbeiteten Daten gibt. Das dies den Betreibern eines social network missfällt, konnte bisher nur gemutmaßt werden. Tatsächlich wurden hierzulande Aussagen dazu getroffen, die unmittelbar auf die Persönlichkeitsrechte der Betroffenen abstellen:„Die Privatsphäre unserer Nutzer ist uns wichtig und der Nutzer steht bei uns im Mittelpunkt.“

Nun denn, die angelsächsischen Verhältnisse sind hier zunächst nicht obsolet, da es in diesem unserem Lande Gesetz gibt, auf die Engländer, Amerikaner und Australier nicht zurückgreifen können. Wie es bei den in Deutschland tätigen social networks tatsächlich aussieht, wurde jüngst vom Fraunhofer „Institut für Sichere Informationstechnologie“ untersucht. Unter dem Titel Privatsphärenschutz in Soziale-Netzwerke-Plattformen findet sich hier ein Bericht, in dessen Fazit es heißt:

Hinsichtlich des Privatsphärenschutzes konnte keiner der getesteten Dienste überzeugen. Viele Plattformen sind nur in einigen wenigen Punkten gut oder zeigen nur teilweise gute Ansätze. Die meisten guten Bewertungen erhielt facebook. Insbesondere die Zugriffskontrolle, welche ein wichtiges Mittel für den Privatsphärenschutz ist, verfügt bei facebook über umfangreiche Funktionen und Konfigurationsmöglichkeiten. Bei facebook kann der Nutzer deshalb viele Daten gegenüber anderen Plattformmitgliedern schützen, insbesondere auch privatsphärenrelevante. Dennoch ist facebook, wie die anderen Plattformen auch, mit zahlreichen Mängeln behaftet…

…Insgesamt ergibt sich eine lange Liste typischer Mängel, die bei den getesteten Plattformen teilweise vorgefunden wurden:

  • zu umfangreiche Pflichtdaten bei der Anmeldung
  • kein Unterstützen von Pseudonymen
  • fehlendes oder unzureichendes Verschlüsseln des Kommunikationskanals zum Plattform-Server
  • konzeptionell nicht gewollter Schutz bestimmter privatsphärenrelevanter Daten
  • Fehlen von Mechanismen, die den Zugriff auf Datenobjekte gemäß den vom Nutzer gesetzten Regeln erlauben oder verweigern (z.B. für die Suchfunktion oder Fotoverknüpfungen)
  • Abruf vertraulicher Multimediadaten außerhalb der Plattform
  • schwer auffindbare Abmeldefunktionen oder umständlicher Abmeldeprozess
  • unvollständiges Löschen privater Daten nach dem Abmelden an der Plattform
  • eigenwilliges Konzept für die Nutzerführung oder Inkonsistenzen bei den Privatsphäre-Optionen

Ken und Barbie werden alleine bleiben müssen, solange das Geschäftsinteresse der Betreiber von social-networks die Privatphäre der Nutzer überwiegt. Entscheiden müssen aber immer noch Sie selbst, ob Sie das wollen, oder nicht…