Oh Gott. Das ist ja peinlich!

Das war eine der Antworten, die ich jüngst auf eine Email bekommen habe. Hintergrund war eine „Verabschiedungsmail“, die von der Marketingvertreterin eines weltweit bekannten Dienstleistungsunternehmens über die Mailfunktion „An Alle“ verschickt wurde. Aufgrund weiterer interner Verteiler teilte sie der Welt in vierfacher Ausgestaltung dieser Email mit, dass sie den Arbeitgeber wechselt und u.a. ihr bisheriger Praktikant für die weitere Kundenbetreuung zur Verfügung stehe. Unabhängig davon, welche Wertigkeit sie damit auf ihr eigenes Wirken in diesem Unternehmen legt, adressierte sie diese Nachricht nicht, wie man vermuten würde, „BCC“ , sondern „CC“ und das an mehr als 250 Empfänger; verteilte damit natürlich auch meine Emailadresse in mehr als 250 Adressbücher.

Nicht danach gefragt, welchen Sinn oder Unsinn solche Nachrichten haben, liegt es nahe, dass man sich in der Hektik des Geschäftsalltags schon mal in der Zeile versieht und unglücklicherweise „CC“ verschickt. Wenn dann aber eine Nochkollegin der Absenderin alles Gute für die Zukunft wünscht und das auch vierfach „CC“ „An Alle“ verschickt, ist das keine Flüchtigkeit, sondern ein Fehler im Bewusstsein der Mitarbeiter des betreffenden Unternehmens.

Heute morgen erreichte mich eine Email eines Vertreters der Datenschutzbranche, der das Gleiche macht. Wieder mehr als 250 Adressaten und das aus der Hand eines jemanden, der es besser können müsste. Scheint ja doch eine gängige Praxis zu sein, qualifizierte Emailadressen auf diese Weise in die Welt „hinauszupusten“. Wer wissen will, wie es richtig geht, findet hier Antworten.

Meine Antwort auf die Nachricht der Marketingvertreterin beinhaltete einen Verweis auf §§ 28, 29 BDSG und einen dementsprechenden Hinweis auf schutzwürdige Interessen, der besagt, dass meine Emailadresse nicht für Werbe- oder Marketingzwecke verwendet werden darf. Dieses gilt natürlich auch für „Alle“ anderen, die in der Ursprungsnachricht „CC“ adressiert waren und jetzt durch meine Antwort in „BCC“ – Funktion ebenfalls dazu angehalten sind, meine schutzwürdigen Interessen zu wahren.

Zu kompliziert? Ganz einfach. Würden Sie wollen, dass Ihre Emailadresse in Datenbanken landet, von denen Sie gar nicht wissen, dass sie existieren? GMail, der Maildienst von Google z.B., beinhaltet laut Google-Nutzungsbestimmungen, dass sämtliche E-Mails automatisiert durchsucht werden (inbegriffen Adressaten von Nachrichten), um daraufhin kontextbezogene Werbung einblenden zu können. Eine darüber hinausgehende Nutzung der gewonnenen Daten zu Marketingzwecken wird zudem von Google nicht ausgeschlossen…

Ich bekam mehrere Antworten auf meine Reaktion, die durchaus unterschiedlich ausfielen. Die überwiegende Mehrheit äußerte sich positiv:

„Schöne Email – da kann ich Ihnen nur zustimmen. So etwas darf nicht passieren.“

„Ich danke Ihnen für diese sehr gut und auf den Punkt gebrachte Mail an diese recht naive und auch noch leichtsinnige Person“

Die Bemerkung, so etwas sei peinlich, kam von einem Marketingvertreter. Zufall? Oder ist es im Marketing üblich, eigene Geschäftsinteressen über die Persönlichkeitsrechte der Kunden zu stellen?

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