Sie wissen, wer du bist und was du tust

Neulich erreichte mich ein Artikel aus den Chemical & Engineering News. Hierin beschreibt eine Journalistin, dass sie auf einem Kongress in Spanien durch einen deutschen Radioreporter auf in den Namensschildern der Teilnehmer versteckte Rundfunk-Frequenz-Identifikations-Chips, kurz RFID, aufmerksam gemacht wurde, mit dem ein Bewegungsprofil der Kongressbesucher erstellt wurde. Der Veranstalter konnte sich damit ein genaues Bild davon machen, zu welcher Zeit sich die Träger der Namensschilder auf dem Kongress wo aufgehalten haben. Ganz normaler Alltag? Weitere Recherchen der Journalistin hätten ergeben, dass diese Art von Besucherüberwachung mittlerweile auf Messen und Medizin- und Wissenschaftskongressen üblich seien.

Sie kennen sicher die Funktionen der seit ein paar Jahren in den unterschiedlichsten Funktionen eingesetzten netten kleinen Helferlein, die dem Servicemitarbeiter Ihrer Autowerkstatt anhand Ihres Schlüssels den Kilometerstand verraten, oder wann Sie zur nächsten Inspektion kommen sollten. Oder Sie bekommen per Videowand Glückwünsche zum Geburtstag, wenn Sie mit Ihrem Auto auf der Autobahn unterwegs sind. Im Supermarkt, der Kennzeichnung von Haustieren und Mitarbeitern, auch beim Reisepass und in Kundenkarten des öffentlichen Nahverkehrs werden die Chips verwendet, um uns unser Leben „bequemer zu gestalten“.  Oder gibt es da noch andere Interessen?

Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber einen Messebesuch oder einen Kongress mit dem Gedanken zu verknüpfen, dass der Veranstalter genau weiß, wann ich gekommen, oder gegangen bin, wann ich Mittag gemacht habe und wann ich auf der Toilette war, bereitet mir persönlich Unbehagen. Aber es mag ja sein, dass dies Ausdruck der mir öfter nachgesagten berufsbedingten Paranoia ist. Schließlich hat man ja nichts zu verbergen. Nur warum versteckt ein Veranstalter dann die RFIDs in den neudeutsch sog. Badges?

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