Es ist was faul im Staate …

Baden-Württemberg fordert schärfere Gesetze gegen den Datenhandel. Uupps, haben die Mutplätzchen gefrühstückt oder bewusstseinserweiternde Substanzen konsumiert? Sicher, nach den sich häufenden Meldungen über den missbräuchlichen Umgang mit Kundendaten war eine Reaktion aus Politikerkreisen nötig. Doch so weit, wie sich die Schwaben nun aus dem Fenster lehnen, riskieren sie glatt einen Nasenstüber aus Berlin.

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Daten im Sommerschlussverkauf

Gegen Ende des Sommers oder Winters balgen sich hysterische Hausfrauen an Wühltischen um Schnäppchen. Auch in Großbritannien pilgert man zum „Sale“ – allerdings verwundern die dortigen Sonderangebote: Datensätze mit Bankkundendaten. Dass die Briten im Umgang mit sensiblen Daten ein wenig unbedarft scheinen, haben sie in den letzten Wochen und Monaten nicht nur einmal bewiesen: Sowohl der Gesundheitsdienst als auch die Steuerbehörde vermissten Datenträger, die HSBC verlor annähernd 400.000 Kundendatensätze, das Innenministerium verschlampte einen USB-Stick mit Polizeidaten, in der letzten Woche kamen den Insulanern auch noch Daten von Sträflingen abhanden.

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Sie wissen, wer du bist und was du tust

Neulich erreichte mich ein Artikel aus den Chemical & Engineering News. Hierin beschreibt eine Journalistin, dass sie auf einem Kongress in Spanien durch einen deutschen Radioreporter auf in den Namensschildern der Teilnehmer versteckte Rundfunk-Frequenz-Identifikations-Chips, kurz RFID, aufmerksam gemacht wurde, mit dem ein Bewegungsprofil der Kongressbesucher erstellt wurde. Der Veranstalter konnte sich damit ein genaues Bild davon machen, zu welcher Zeit sich die Träger der Namensschilder auf dem Kongress wo aufgehalten haben. Ganz normaler Alltag? Weitere Recherchen der Journalistin hätten ergeben, dass diese Art von Besucherüberwachung mittlerweile auf Messen und Medizin- und Wissenschaftskongressen üblich seien.

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Chronik eines angekündigten Skandals

Gestern will „Report Mainz“ einen Datenschutzskandal bei der DAK aufgedeckt haben. Das Magazin wirft der Krankenkasse vor, 200.000 Datensätze mit vertraulichen Patienteninformationen an das Privatunternehmen Healthways übermittelt zu haben. Es geht um die Datensätze chronisch Erkrankter, die Healthways im Auftrag der DAK anruft und zu einer gesünderen Lebensführung animieren soll. „Ist doch ein toller Service!“, wird mancher jetzt verzückt rufen. Ja, wäre es, wenn das Vorgehen der DAK eine rechtliche Grundlage hätte. Doch genau die sieht der Bundesbeauftragte für Datenschutz, Peter Schaar, nicht. Vielmehr hält er die Übertragung der Daten für illegal.

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Voyeure auf Rädern

Heute präsentieren wir Ihnen ein Rezept für ein schmackhaftes Gericht namens Street View. Bei der Zubereitung sollte man äußerste Vorsicht walten lassen, da es andernfalls zu Reizungen der Speiseröhre oder des Magen-Darm-Trakts kommen könnte.

Man nehme:

  • den Marktführer in Sachen Internet-Suchmaschinen
  • mehrere Autos (in Deutschland schwarze Astras mit Hamburger Nummer)
  • High-Tech-Kameras (die im 2-Sekunden-Takt hochauflösende Bilder für Panoramaaufnahmen liefern)
  • eine entspannte Haltung im Umgang mit der Privatsphäre anderer

Zubereitung:
Zunächst lässt man den Suchmaschinen-Monopolisten eine zusätzliche Funktion seines Kartendienstes Google Maps entwickeln: den Karten-Bilderdienst Street View (mehr dazu hier). Hierbei ist streng darauf zu achten, dass man die Privatsphäre seiner Mitmenschen nicht zu ernst nimmt.

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Eierköpfe aufgepasst!

MINOLTA DIGITAL CAMERA

Liebe Bankräuber, tragen Sie bei Überfällen bitte eine Stoffmütze. Und vor allem sollten Sie darauf achten, dass Sie die Mützen Ihre Eierköpfe nicht allzu sehr betont. Es könnte sein, dass die Helmerkennung einen Alarm auslöst. Welche Auswüchse die Kameraflut hierzulande entfalten kann, wurde mir neulich anhand eines Fotos gewahr, das mir unser Vereinsmitglied Jörg Lüders zukommen lassen hat. Eine Bank weist Motorradfahrer im Eingangsbereich „höflich“ darauf hin, dass Alarm ausgelöst wird, wenn man mit Helm die Räumlichkeiten betritt. Fragt sich, wie das Ganze funktioniert und vor allem, wie hoch die Quote der Fehlalarme ist.

Von der Maas bis an die Memel

Geomarketing bezeichnet die Planung, Koordination und Kontrolle kundenorientierter Marktaktivitäten von Unternehmen mittels geografischer Informationssysteme. Bitte was?

Geografie? Maas? Memel?

Zur Erklärung betrachten wir die Wohnadresse der Bundeskanzlerin, Kupfergraben 6 in Berlin. Durch Geomarketing ist bekannt, dass das Haus, in dem Angela Merkel lebt, vor 1900 gebaut wurde. Es hat sechs Haushalte, die Bauweise ist befriedigend. Kein Garten, keine Ausländer, die Affinität für Kundenkarten liegt ebenso wie die für private Krankenversicherungen im Mittel. Die Bewohner gelten als desinteressierte Finanztypen, sind klassische Festnetznutzer und kaum Internet-Poweruser. Das dominierende Alter liegt zwischen 51 bis 60 Jahre, Diabetes und Arthrose sind überdurchschnittlich, Fitness unterdurchschnittlich. Es wird viel Audi, Mercedes und BMW gefahren, wenig Volkswagen.

Und: Anders als Kurt Beck, der auf dem Land wohnt, residiert Angie Merkel laut Geomarketing in einem Stadtviertel, in dem sich auch Zahlungsmuffel und Schuldner finden, wovon Kurt Beck als Landbewohner verschont bleibt. Die Stadtlage unserer Kanzlerin wirkt sich direkt negativ auf ihren Scoring-Wert aus. D.h., wenn Sie der Kanzlerin etwas verkaufen wollen, sollten Sie sich absichern; es könnte sein, dass Sie auf einer Forderung sitzen bleiben. Abwegig?

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