Sexuelle Ausrichtung: Hetero

Verhalten: Minderzickig, klettert gern auf Bäume unter zwei Metern Höhe und bleibt somit erreichbar… So oder ähnlich könnte eine Personenbeschreibung aussehen, die sich in der französischen Datenbank „Edvige“ finden lässt. Heise hat darüber berichtet, dass Edvige für die französische Polizei und andere Behörden Daten von Personen zentral erfassen soll, die sich für ein politisches, gewerkschaftliches oder religiöses Mandat bewerben, bzw. schon mit einem solchen Mandat betraut sind.

Darüber hinaus würden laut Heise mit Edvige auch Daten von Individuen gesammelt, die „möglicherweise die öffentliche Ordnung stören könnten“. Die Daten, die vom Inlandsgeheimdienst DCRI gesammelt und verwaltet werden, sollen sich weiterhin durch den Rückschluss auf eine frühere Verordnung auch auf Ausnahmen zur Erfassung von Daten zur „ethnischen Abstammung, Gesundheit und dem Geschlechtsleben“ einer Person beziehen.

Frankreich ist bekanntermaßen Mitgliedstaat der EU und hat bei der Entwicklung der EU-Richtlinie 95/46 (die europäische Datenschutzrichtlinie, die als Basis für die Umsetzungen in die nationalen Datenschutzgesetze der Mitgliedstaaten zu verstehen ist) dafür gesorgt, dass ein Katalog besonderer personenbezogener Daten geschaffen wurde, der in Deutschland im § 3 Abs. 9 des Bundesdatenschutzgesetzes Ausdruck fndet. Hier ist geregelt, dass unter besonderen Arten personenbezogener Daten Angaben zu verstehen sind, über die rassische und ethnische Herkunft, politische Meinungen, religiöse oder philosophische Überzeugungen, Gewerkschaftszugehörigkeit, Gesundheit oder Sexualleben. Diese Daten unterliegen einer gehobenen Schutzwürdigkeit, so z.B. das Patientengeheimnis. Nun sind die Franzosen in der Rolle, die Regeln zu durchbrechen, die sie selbst einst geschaffen haben, um höchstpersönliche Lebensbereiche zu schützen.

Die französische Zeitung Le Monde beschreibt laut Heiseartikel Befürchtungen von Verbänden, die sich um die Rechte von Homosexuellen kümmern und hat darüber berichtet, dass von diesen Verbänden bis jetzt mehr als 48.000 Unterschriften gegen Edvige gesammelt wurden. Nicht viel, wenn man bedenkt, dass Frankreich 64 Mio Einwohner hat. Wo ist die Grenze? Wann hört das endlich auf? Wie weit soll es noch gehen, dass höchstpersönliche Lebensbereiche aus staatlichen Interessen zu fragwürdigen Zwecken in Datenbanken erfasst werden? Die breite Masse jedenfalls scheint nicht homosexuell zu sein, oder kein Problem damit zu haben, auf Bäume zu klettern oder unter selbigen zu stehen, um sich der Erreichbarkeit zu bedienen und dieses Verhalten vor allem in einer Datenbank gespeichert zu wissen…