Google auf dem Prüfstand

Neues von Google. Obwohl, so neu ist das nun auch wieder nicht. Neu an dieser Meldung ist nur der Ort des Geschehens. Der Tagesspiegel berichtet, dass Google mit Kameras in Berlin unterwegs ist. Mit Street View wird es somit demnächst auch möglich sein, sich Berlin nicht nur aus der Vogelperspektive anzuschauen. Auch wenn Google zusichert, in Berlin aus Datenschutzgründen nur die Vogelperspektive zu zeigen. Wozu aber dann die Bilder? Erinnert mich an ein Video bei YouTube:

Die Kritik an Street View kommt aber nicht nur aus Deutschland. Nach einem Bericht bei Heise hätte Google schon im November letzten Jahres für Australien versichert, dass die Privatsphäre der Menschen gewahrt würde. So würden wie in den USA Gesichter nicht kenntlich und Nummernschilder parkender Fahrzeuge nicht lesbar sein. In Kanada wurde Street View von der Datenschutzkommissarin Jennifer Stoddart zurückgewiesen, weil es die Datenschutzgesetze verletze. Auch in britischen Städten sind laut BBC Autos mit Kameras unterwegs, um die Straßen zu fotografieren. Privacy International wolle den britischen Information Commissioner auffordern, Street View in Großbritannien zu verbieten. Und das im „kameraverwöhnten“ England“.

Laut Focus funktioniert die Technik der Anonymisierung nicht einwandfrei. Bei Street View in Frankreich seien zum Beispiel auf den Champs-Elysées mehrere Gesichter und Kennzeichen zu erkennen. Ein Google-Sprecher hätte dazu gesagt, dass diese Bilder auf Wunsch entfernt würden, wenn Google darauf aufmerksam gemacht wird. Fragt sich nur, woher man wissen soll, dass Google Fotos gemacht hat und diese nun bei Street View zu sehen sind, für jedermann…

Nicht nur deshalb kommen in Datenschützerkreisen Zweifel auf. Der EU-Datenschutzbeauftrage Peter Hustinx kündigte bereits an, das Vorhaben sorgfältig zu prüfen. Gegenüber dem Focus hätte eine Sprecherin bekundet, dass die Behörde „die Entwicklung genau beobachtet und sich mit den entsprechenden Institutionen in den Ländern abspricht.“

Aber nicht nur zu Street View gibt es Berichte. Über das Tracking-System Google Analytics, mit dem Nutzerverhalten auf Webseiten protokolliert werden können, hat der Landesdatenschutzbeauftragte Tilo Weichert eine Presseerklärung abgegeben. Da den deutschen Datenschutzbehörden nicht bekannt ist, was Google mit den anfallenden Daten anstellt, sahen sich der Berliner Beauftragte für Datenschutz und Informationsfreiheit sowie das Unabhängige Landeszentrum für Datenschutz Schleswig-Holstein (ULD) veranlasst, hierzu eine Prüfaktion durchzuführen.

Das Ergebnis dieser Untersuchung beschreibt Weichert wie folgt: „Wir waren verblüfft und schockiert, wie weit Google Analytics auch in Schleswig-Holstein verbreitet ist. Renommierte Medien- und Internetunternehmen gehören zu deren Nutzern ebenso wie viele Anbieter aus der Tourismus- und der Dienstleistungsbranche; ja politische Parteien, öffentliche Stellen des Landes und Hochschulen setzen den kostenlosen, aber datenschutzwidrigen Service ein. Den meisten Betreibern dürfte nicht vollständig bewusst sein, dass sie mit dem Einsatz von Google Analytics einen Service in Anspruch nehmen, bei dem Daten in die USA übermittelt werden, die dort umfassend ausgewertet und genutzt werden, und dass dies die Datenschutzrechte der Webseitenbesucher verletzt.“

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