Ihren Fingerabdruck, bitte!

… nölt eine unfreundliche Kassiererin (eventuell das Wort „bitte“ streichen). In einigen Edeka-Läden hört man das schön länger. Da Bezahlen per Fingerabdruck aber das neue Lieblings-Experimentierfeld des Handels zu sein scheint, zieht nun auch der Handelsriese Metro nach – und er geht sogar weiter. Nämlich in seinem neuen „Future-Store“ – welch vielversprechenden Begriff sich die PR-Abteilung da aus der Rippe geleiert hat … Der „Future-Store“ steht in Tönisvorst bei Krefeld und hier ist die Zukunft eingekehrt. In diesem Real-Markt können Testkunden Waren mit Handys einkaufen und via Fingerabdruck zahlen: Finger auf den „Scanner“ und rund gehts auf der EC-Karte. Bei diesem Verfahren dürften unfreundliche Kassiererinnen bald der Vergangenheit angehören – Sie werden schlicht überflüssig. So reizvoll die Vorstellung sein mag: Wohin führt sie?

In Zukunft bietet sich in Supermärkten ungefähr folgendes Bild: Kunden streunen durch endlose Regalschluchten. Dabei fotografieren sie die Strichcodes der Artikel, die sie in ihre Einkaufswagen befördern. Welche das sind, sagt ihnen ihr Handy. Das fungiert neuerdings als Einkaufszettel. Die Waren sind stets vorrätig und können ihr Haltbarkeitsdatum nicht überschreiten (… ein nicht zu vernachlässigendes Argument – man erinnere sich an das Thema „umgelabeltes Hackfleisch“). Dafür sorgt RFID-Technologie: An der Ware pappt ein Etikett mit einem RFID-Chip, der dafür sorgt, dass das Handy das Produkt erkennt. Außerdem löst der Chip bei sinkenden Warenbeständen Alarm in der Einkaufsabteilung aus und speichert das Mindesthaltbarkeitsdatum. Sollte der Kunde es nicht können, hilft ihm eine Waage bei der Unterscheidung von Äpfeln und Birnen. Zitrusduft war gestern – heute kurbelt Meeresrauschen den Kaufwillen an. Wer unter Blasenschwäche leidet, sollte sich von der Fischtheke also besser fernhalten. An der Kasse muss dann nur noch das Handy gescannt und der Fingerabdruck ausgelesen werden. Schöne neue Welt.

Angeschmiert sind diejenigen, die nicht via Handy einkaufen wollen. Noch geht das – über kurz oder lang will man die Kundschaft aber dahingehend erziehen, dass sie ihre Einkäufe an der Kasse selbst oder gleich per Handy scannt. Aber auch das geht der Metro noch nicht weit genug: Im nächsten Schritt soll das Handy automatisch die Waren im Einkaufskorb scannen und auch gleich selbst bezahlen. (Da kann man nur hoffen, dass das Handy keine Vorliebe für 30 Jahre alten schottischen Single Malt entwickelt.)

Doch bis dahin wird Metro noch ein paar Millionen Euro in Technik investieren. Aber die dürften sich rechnen: schlankere Prozesse, Personaleinsparungen … Mit den Worten des Metro-Vorstandsvorsitzenden Eckhard Cordes: „schneller, besser und effizienter“ soll das Einkaufen und Verkaufen sein. Zudem soll die in Tönisvorst getestete Technik den veränderten Kundenbedürfnissen entsprechen. Neuerungen, die Gnade vor den Augen der niederrheinischen Testkäufer finden, sollen später in allen Märkten eingesetzt werden.

Bislang läuft der Test in Tönisvorst nach dem Motto „außer Spesen nix gewesen“. Denn noch kämpft man mit den Tücken der Technik und einem höheren Personalaufwand: Irgendwer muss den Kunden ja die Prozedur erklären – und dafür sorgen, dass die Kunden nicht mit unbezahlter Ware ausbüchsen. Ist die Zukunft in Tönisvorst dann wirklich einkehrt, lautet die Devise „Vertrauen gegen Vertrauen“. Denn um mittels Fingerprintverfahren zahlen zu können, muss man Real bzw. dem Konzern einen Fingerabdruck überlassen. Schön und gut: Eine verlorene EC-Karte kann also nur jemand belasten, der auch den passenden Fingerabdruck zu der Karte hat. Aber die Geschichte hat zwei Haken: Erstens gilt das Bezahlverfahren keinesfalls als so sicher, wie man uns das einreden will. Zweitens braucht die Metro wegen der Handybindung als Partner ein Telekommunikationsunternehmen, das dann wiederum eine zweite Datenbank mit Nutzerverhalten anlegen kann. Was man da mit Fingerabdrücken anstellen könnte … den „Flurschaden“ malt sich wohl lieber niemand aus. Klar ist aber, dass Metro bzw. Real künftig noch genauer über seine Kunden Bescheid weiß: Wer Schuppen hat und wer gerne Gummibärchen isst, kann der Konzern aus den Daten von Payback nicht ermitteln – denn eine Payback-Karte nutzen meist mehrere Personen. Das Fingerprintverfahren erlaubt da doch genauere Einsichten: Immer wenn Papa Wodka bunkert, kauft Mama danach Pflaster …

Aber wahrscheinlich sehe ich nur schwarz – das geschieht alles im Interesse der Kunden. Oder doch nicht? Was wäre denn wirklich kundenfreundlich? Ein Supermarkt, der nicht ständig seine Regale umräumt – in der Hoffnung, dass Kunden auf der Suche nach Schokolade der Verlockung des nun dort befindlichen Geschirrspülmittels erliegen. Und wenn man von der Umräumerei doch so gar nicht lassen will, könnte man die RFID-Chips auch sinnvoll nutzen: Die Schokolade könnte meinem Handy ihren neuen Standort übermitteln. Dann wäre ich ein doppelt glücklicher Kunde 😉

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