„Knete oder Knast“

Manch ein Internetnutzer hat es schon erlebt. Man findet im Briefkasten ein Anschreiben eines Inkassobüros oder einer Kanzlei, in dem eine Forderung erhoben wird. Man hätte sich auf der Startseite fragwürdiger Internetseiten in ein Kontaktformular eingetragen und sich damit zur Zahlung eines bestimmten Geldbetrags verpflichtet. Diese Anschreiben zeichnen sich teilweise auch durch die Drohung mit einem Schufa-Eintrag aus. Und das ist es dann auch. Eine Drohung mit einer unberechtigten Eintragung, was gegen Datenschutzbestimmungen verstößt, solange die Forderung bestritten wird. Insofern ist man dem nicht schutzlos ausgeliefert.

Laut der Verbraucherzentrale in Niedersachsen versuchen unseriöse Internetanbieter nach wie vor unbedarfte Surfer in Kostenfallen zu lotsen. Danach sollen Verbraucher über seriös erscheinende Schreiben eingeschüchtert und beispielsweise durch Übersendung eines ausgefüllten vermeintlichen Mahnbescheides zur Zahlung aufgefordert werden. Bekannt seien in diesem Kontext Rechtsanwälte wie Boris Hoeller aus Bonn, Olaf Tank aus Osnabrück oder Katja Günther aus München.

Bei den fragwürdigen Internetseiten würde es sich laut den Vertretern des Verbraucherschutzes um Seiten wie www.berufs-wahl.de, www.genealogie.de, www.routenplaner-server.com oder www.nachbarschaft24.net handeln. In der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz wird hierzu die Ansicht vertreten, man solle sich von Inkassodienstleistern nicht einschüchtern lassen, weil die Forderungen meist unbegründet sind.

Insbesondere scheint es hier immer wieder Jugendliche zu treffen, die relativ unbedarft mit dem PC und dem Internet umgehen. Unter dem Titel „Knete oder Knast“ haben die Pfälzer ein Faltblatt herausgebracht, mit dem vornehmlich Jugendliche vor „Internetabzockern“ gewarnt, aber vielmehr beraten werden sollen, wie man mit Anschreiben von Abmahnanwälten umgeht. Ein Musterbrief, wie Eltern minderjähriger Kinder auf Rechnungen oder Mahnungen reagieren können, findet sich hier oder hier.

Für betroffene Erwachsene gibt es auch Hilfestellung. Laut Auffassung der Verbraucherzentrale sollte man keinesfalls bezahlen und sich mithilfe von Musterbriefen wehren. Und einen unberechtigten Eintrag bei der Schufa riskiert so schnell keiner, der weiß, dass die Gegenseite sich zu wehren weiß. Stichwort hier ist das überwiegende schutzwürdige Interesse des Betroffenen, welches das „berechtigte Interesse“ eines Internetabzockers generell überwiegt…