Don´t be evil

„The evil is always and everywhere“ hieß es vor Jahren bei der „Ersten Allgemeinen Verunsicherung“ kurz „EAV“. Vor diesem Hintergrund scheint der bekannte Google-Slogan „dont´t be evil“ falsch gewählt, denn Google ist allgegenwärtig. Aber eben nicht böse… oder etwa doch? Letztere Ansicht vermag der Autor eines Buches vertreten, das jüngst erschienen ist. In „Die Google-Falle“ beschreibt Gerald Reischl den bekannten Suchmaschinenbetreiber als Unternehmen, das zwar als hipp, cool, bunt, freundlich und als der beste Arbeitgeber gilt, aber auch zu kritisieren ist. So soll „Die Google – Falle“ „zur Bewusstseinsbildung beitragen und aufzeigen, in welchem Zwiespalt Internet-Nutzer leben, welche Versäumnisse Europa gemacht hat und worauf wir achten sollten, wenn wir das Internet für unsere Zwecke nutzen wollen. Es wird anhand von Fakten bewiesen, dass [ … ] Versprechen, keine Daten auszuwerten und sie nach 18 Monaten zu löschen, nur Lippenbekenntnisse sind …“

Das Buch, als auch Reischls Slogan: „Die Welt ist eine Kugel, sie sollte keine Google werden“ wurde bereits rezensiert. Der Schweizer Levente J. Dobszay greift den Gedanken der Kritik in seinem Blog auf und schlägt dem Autor für eine kommende Auflage vor, dass er es erwähnenswert fände, wie Google die angebliche Anzahl der gefundenen Treffer systematisch manipuliert und hochstapelt und [ … ] trotz praller Kriegskasse ein Finanzproblem aufgrund mangelnder Nachhaltigkeit hat. Weiterhin besäße Google mehr Wirtschaftsinformationen als jedes andere Unternehmen, jede Organisation oder jeder Geheimdienst. Das Wissen über die Werbekunden diene zum Beispiel als vorlaufender Indikator für die Entwicklung der einzelnen Branchen und Börsenkurse. So hätte Google die Möglichkeit, mit Insiderwissen an der Börse viel Geld zu “verdienen” und die Kurse zu manipulieren. Zudem wäre äußerst interessant ein Vergleich mit den Bemühungen Microsofts zur Wissensaggregation und -vermarktung, den Produkten und Online-Plattformen (Encarta, MSN, …) sowie den Methoden zur Kundenbindung bzw. –knechtung.

Gerald Reischl wurde nach eigener Aussage mehrfach gefragt, ob er keine Angst hätte, vor dem Weltkonzern Google zu warnen und ungeschminkt die negativen Seiten der „hippsten“ Firma der IT-Ära aufzuzeigen. Als sog. „Google-Basher“, als jemand der die Fa. Google schlecht machen wolle, müsse er sich der Macht Googles und deren Anwälten stellen. Reischl und auch sein Rezensent Dobszay sind hier offensichtlich zuversichtlich, dass ihnen keine wirtschaftlichen Nachteile entstehen werden, wenn sie sich als Google-Basher positionieren.

Das Thema Bashing erinnert mich auch an die Presseberichterstattung über Lidl. Es hat sich kaum ein Herausgeber zurückgehalten, Lidl anzuprangern, bis auf die Bild-Zeitung. Einem Beitrag im Bildblog zu Folge hat es z.B. in der „Hamburger Morgenpost“ geheißen: „Schweinerei ohne Gleichen“, während sich die Bild auf eine relativ kleine Notiz beschränkte. Bildblog kennt auch hierzu eine Antwort: „Schließlich ist es ganz allein Aufgabe der Redaktion, zu entscheiden, was wie und in welcher Größe über den Lebensmitteldiscounter und besonders guten Geschäftspartner von „Bild“ in „Bild“ steht.“

In diesem Sinne: Don´t be evil… und vergraulen Sie nicht Ihre Geschäftspartner