Es ist eine Ente …

Kennen Sie Hoaxes? Als Hoax (Schwindel, Scherz, Schabernack) wird eine Falschmeldung, auch bekannt als Zeitungsente, bezeichnet, die zumeist per E-Mail verbreitet wird, von vielen für wahr gehalten und deshalb auch im „großen“ Verteiler weitergeleitet wird.

Neulich erreichte mich eine E-Mail mit einem pdf-Anhang, der als Auszug eines Zeitungsartikels der NZZ (Neue Züricher Zeitung) gestaltet war und unter dem Titel „Die letzte Macho-Bastion Europas“ folgenden Text enthielt: „Die 0,5-Promille-Grenze wird in der Schweiz wieder aufgehoben. Ab dem 1. Juni 2007 beträgt der für Autofahrer zulässige Alkoholgrenzwert wieder 0,8-Promille!!! Wie eine gesamtschweizerische Studie der ETH Zürich ergeben hat, hat die Unfallhäufigkeit seit Einführung der 0,5-Promille-Grenze stark zugenommen. Auffällig sei, dass speziell zur späten Stunde und an Wochenenden die mittel- bis schweren Unfälle eine noch nie da gewesene Zahl erreichten. Abklärungen der Polizei haben ergeben, dass die Ursache darin liege, dass seit der Reduktion die Männer nicht mehr alkoholisiert heimfahren, sondern sich von ihren Frauen abholen lassen ….“

Wenn man bedenkt, dass in der Schweiz erst 1990 im letzten Kanton das Frauenwahlrecht eingeführt wurde, könnte man auf die Idee kommen, dass diese Meldung wahr ist. … und alle Machos dieser Welt haben ihre Freude daran, diese Nachricht zu verbreiten. Zugegeben, ich bekam sie mit der Betreffzeile: JAWOLL !!… Aber, aber, meine Herren… Die Steinzeit ist lange vorbei und die Schweizer haben das auch schon lange erkannt. Antiquiert ist eher die Betrachtung, dass solche Meldungen – Hoaxes – einen Wahrheitsgehalt haben könnten. Am Beispiel der Bonsai-Katzen sollte deutlich werden, was es mit Hoaxes auf sich hat. Laut Wikipedia handelt es sich bei Bonsaikatzen um eine seit 2000 existierende Website, die behauptet, dass der Betreiber der Seite Kätzchen mehrere Monate in kleine Glasbehälter sperrt, wodurch die Tiere die Form der Gläser annähmen. Das FBI hätte den Fall wegen des Verdachts der Tierquälerei untersucht und herausgefunden, dass es sich um einen Scherz von Studenten des Massachusetts Institute of Technology (MIT) handelt. Und: Obwohl die Seite schon kurz nach Start als Hoax enttarnt wurde, kursieren noch immer viele Protest – E-Mails von Tierschützern.
Es gibt etliche weitere Hoaxes, die teils spaßig, aber auch volksverhetzend, diffamierend oder beleidigend sind, wie auch die angebliche Meldung in der NZZ. Eine Übersicht über Hoaxes, urbane Legenden und anderen Schabernack finden Sie hier.

Sie werden jetzt sicher fragen, was das mit Datenschutz zu tun hat. Ein Hoax kann auch als Computervirus betrachtet werden, der sich durch Social Engineering fortpflanzt. Es gibt Hoaxes mit Aufforderungen an den Benutzer, bestimmte Dateien zu löschen und sich ohne sein Wissen damit selbst zu schaden, da es sich um notwendige Systemdateien handelt. Bekannt geworden sind Teilbereiche der Hoax-Philosophie auch als Phishing, wobei ein Empfänger der E-Mail aufgefordert wird, Anmeldedaten, beispielsweise für das Onlinebanking, per E-Mail oder über eine gefälschte Website bekannt zu machen. Daneben spricht ein Hoax das Engagement der E-Mail-Teilnehmer an, um unnötige Netzlast zu erzeugen oder sich mit anderen Dingen zu beschäftigen, als z.B. der Aufgabenerfüllung am Arbeitsplatz.

Stellen Sie sich einmal vor, eine Hoax-Virenwarnung erreicht ein Unternehmen mit 1000 Mitarbeitern. „Schicken Sie diese Warnung an alle, die Sie kennen“ … 1000 x 1000, mit Lese- und Empfangsbestätigung. Das Netz und der Admin werden sich freuen… Ebenso: Eine Nachricht „An Alle“, zudem nicht „BCC“ gesetzt, ist ein Fressen für die Geier, oder Spammer. Qualifizierte Email-Adressen im Briefkopf sind von diesen gerne gesehen, je mehr, desto besser …

Wie geht man damit im Alltag um? Ganz einfach. Löschen und nicht darauf reagieren. Es gibt keine Virenwarnung, die nicht direkt vom Administrator kommt oder über die seriöse Presse publiziert wird. Und lassen Sie sich nicht durch Schabernack zum Manipulationsobjekt von Leuten machen, die nichts besseres zu tun haben, als Blödsinn in die Welt zu setzen… Ein Kettenbrief, der voraussagt, dass Sie 7 Jahre Pech oder andere Unannehmlichkeiten haben werden, wenn Sie ihn nicht weiterleiten, hat mehr Steinzeitcharakter, als die Ansicht, dass Schweizer Männer betrunken besser Autofahren, als deren Frauen nüchtern.