Kennen Sie Budni?

Für die, die Hamburg nicht kennen: Budni ist die Kurzform für Budnikowski, eine Drogeriemarktkette in Hamburg. Bei Budni gibt es auch die sog. Budni-Karte. Eine Karte, bei der man an der Kasse gefragt wird, ob man Punkte sammelt … Also ein Kundenbindungs- auch oder CRM-System. Exakte Bezeichnung Customer-Relationship-Management-System. Ganz neu ist die Budni-Cash-Karte, die auch eine praktische Kreditkartenfunktion beinhaltet und bei der anfallende Kundendaten mit der Haspa, der „Hamburger Sparkasse“, und der Schufa ausgetauscht werden können.
Wer lesen kann ist klar im Vorteil und stößt im Antragsformular auf eine Klausel, der man durch Streichen auch widersprechen kann: Ich bin damit einverstanden, dass meine für die Vertragserfüllung der BUDNI Cash Card erforderlichen personenbezogenen Daten (Name, Anschrift, Geburtsdatum sowie weitere Daten aus dem Kartenantrag) bei der Haspa gespeichert werden. Darüber hinaus willige ich ein, dass meine Daten aus dem BUDNI-Bonuspunkteprogramm (Anzahl der gesammelten Bonuspunkte, Art der gekauften Waren und Dienstleistungen, freiwillige Angaben) von BUDNI gespeichert und die jeweils von der Haspa und BUDNI gespeicherten Daten – unter der Wahrung des Bankgeheimnisses – von der Haspa und BUDNI zu Marktforschungs-, schriftlichen Beratungs- und Informationszwecken (Werbung) über Produkte und Dienstleistungen der beiden Unternehmen verarbeitet und genutzt werden. Ich bin damit einverstanden, neben dem Postweg auch über folgende Kanäle informiert zu werden: Telefon, E-Mail und mobil.“

Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber bei mir löst das Unbehagen aus. Angenommen eine Studentin aus dem Stadtteil Eimsbüttel, nennen wir sie Melanie S., nutzt die Budnikarte und hat es versäumt, die Klausel zu streichen, vielleicht auch nur, weil sie davon ausgeht, dass sie nichts zu verbergen hat… Dann dürfte es ja auch unkritisch sein, dass es in der ebenfalls im Antrag enthaltenen Schufa-Klausel heißt: „Insoweit befreie ich die Haspa ausdrücklich zugleich vom Bankgeheimnis.“

Heißt das, Budnikowski tauscht die Daten mit der Haspa aus und der nette Bankberater hat plötzlich und unerwartet Zugang zum Einkaufsverhalten unserer Studentin? Problematisch? Nein, nicht doch, warum sollte ein Problem darin bestehen, dass Budni oder der Bankberater wissen, wann unsere Melanie, welche Drogerieartikel kauft?

Für die meisten Leute mag es hier uninteressant sein, sich darüber Gedanken zu machen. Aber spielen wir das doch einfach einmal durch. Melanie ist Single (ja auch das weiß Budni, weil Budni auch Nahrungsmittel in Portionsgrößen für alleinlebende Frauen anbietet) und lernt in der Bibliothek einen netten Studenten kennen, mit dem sie eine Zeitlang liiert ist, bis dem netten Herrn eine andere über den Weg läuft, die ihm besser gefällt. Melanie ist tieftraurig und verändert sich. Sie schneidet und färbt sich die Haare und damit ihr so etwas nicht noch einmal passiert, fängt sie an zu hungern, d.h., sie hat die Absicht abzunehmen und schießt ein wenig über das Ziel hinaus. Der Versuch eine Woche lang von einer Tomate zu leben, wird von Budni erfasst, weil ja die entsprechenden Vitaminpräparate zum Erhalt der Lebensgrundfunktionen im Regal stehen.

Mal angenommen, Melanies Verirrungen halten sich in Grenzen, weil sie vor der Erreichung der 40 kg-Marke einen anderen Glücksbringer kennen lernt. Der neue Mann an Melanies Seite wird auch von Budni und Haspa mittels Bonussystem registriert, weil Melanie sich plötzlich Gedanken um Verhütungsmittel macht und auch für zwei Personen einkauft. Zahnbürste, Rasierklingen, weil seine Bartstoppeln kratzen, und vielleicht noch etwas Rasierwasser, damit der geschätzte Lebenspartner besser riecht. Die weitere Geschichte schreibt das Leben. Im ungünstigsten Fall verlässt sie der Student, weil Melanie schwanger wird. Wider aller Ratschläge entschließt sie sich zu einer neuen Karriere als alleinerziehende Studentin, weil ihr jemand erzählt hat, dass Spätgebährende auch nicht so ganz unkompliziert sind. Das Kind kommt zur Welt und jetzt braucht Melanie eine andere Wohnung, weil die Studentenbude für eine alleinerziehende Mutter nicht groß genug ist. Sie beantragt bei der Haspa einen Kleinkredit für die Wohnungseinrichtung. Doch der nette Bankberater der Haspa lässt sie wissen, dass ihre Kreditwürdigkeitsanalyse negativ ausgefallen ist.

Wieso das? Nicht, dass hier die Behauptung aufgestellt werden soll, die Haspa würde das Budni-Kaufverhalten der Melanie S. analysieren und in das Scoringsystem zur Kreditwürdigkeitsanalyse einfließen lassen. Eine alleinerziehende Studentin mit Essstörungen soll einen Kredit zurückzahlen können? Eine solche Analyse würde sicherlich den schutzwürdigen Interessen unserer Studentin widersprechen und wenn sie wüsste, dass so etwas mit der Budni-Karte möglich ist, würde sie die Karte mit Sicherheit nicht benutzen…

Aber die Haspa hat ja auch berechtigte Interesse daran, dass der Kredit zurückgezahlt wird. Und da könnten ja mit der Profilanalyse der Melanie S. Anhaltspunkte für eine entsprechende Würdigung generiert werden… Aber nein, das wäre zu weit gedacht und der Antrag für die Budni-Cash-Karte gibt so eine Funktion nicht her. Letztlich ist die Nutzung einer Kundenkarte freiwillig und man kann der Weitergabe und Nutzung der anfallenden Daten an die Haspa ja auch widersprechen. Durch Streichung der entsprechenden Passagen…

Haben Sie schon einmal Klauseln in AGB gestrichen? Wieso gibt es hier kein Opt-In? Und warum schaffen Budni und die Haspa eine solche Kooperation? Eine Antwort gibt vielleicht der Slogan der Fa. Budni: Jeden Tag Gutes tun.

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