Ironie des Schicksals …

Das Leben schreibt ja bekanntlich die besten Geschichten – und bei dieser Geschichte aus dem Freistaat Bayern hat die Ironie sicherlich eine Nominierung für die beste Regie verdient. Dass seit ca. 10 Tagen Steuerfahnder im gesamten Land Banken, Büros und Privatwohnungen umpflügen, ist keine Neuigkeit mehr. Ein Ende scheint noch nicht absehbar, denn wenn der BND schon 4,2 Millionen Euro für eine Datensammlung mit Steuerflüchtigen hinblättert, will man garantiert auch was für sein Geld haben.

Über die Rechtmäßigkeit der Datenbeschaffung lässt sich sicherlich trefflich streiten. Doch wer unabhängig davon nun in heiligem Zorn gegen die Raffgier deutscher Manager zetern wollte, sieht sich zu einer Kursänderung gezwungen: Offenbar wirken die vom BND angekauften Daten bis in politische Kreise, nämlich den bayerischen Landtag. Denn nach der Durchsuchung seines Hauses und seines Büros im Zusammhang mit der „Steueraffäre Liechtenstein“ lässt der bayerische Landesdatenschutzbeauftragte Karl-Michael Betzl sein Amt ruhen. Die lapidare Mitteilung des bayerischen Landtagspräsidenten Alois Glück (CSU) dazu lautet: „In beiderseitigem Einvernehmen wurde die Entscheidung getroffen, dass Herr Dr. Betzl die Dienstgeschäfte im Interesse des Amtes vorläufig nicht wahrnimmt“.

Noch fehlt Ihnen die Ironie an der Geschichte? Gemach, gemach. Zum einen hatte Betzl sich in einem seiner Datenschutzberichte für eine Vereinfachung des Steuerrechts ausgesprochen. Sollte er (man beachte den Konjunktiv II!) tatsächlich Gelder nach Liechtenstein verschoben haben, scheint er hierfür seine ganz persönliche Lösung gefunden zu haben … Zum anderen verleiht die Tatsache, dass wohl auf Umwegen Betzls Frau an dem Ast gesägt hat, auf dem ihr Mann saß, der Geschichte unfreiwillige Komik. Denn unter dem Decknamen Melanie Rengstorf soll Frau Betzl für den BND arbeiten.

Vorschnelle Urteile verbieten sich, denn auch für Betzl gilt die Unschuldsvermutung. Dennoch dürften voreilige Zeitgenossen das Thema Datenschutz wegen dieses Vorfalls einmal mehr diskreditieren und das ist dem Thema sicher abträglich. Um aber zum Ausgangspunkt zurückzukommen – erfreulich ist an den Geschichten, die das Leben schreibt, dass man aus den meisten eine „Moral von der Geschicht’“ ableiten kann: Hin und wieder sollten selbst Paare sich wohl darüber austauschen, womit man seine Brötchen verdient …“

2 thoughts on “Ironie des Schicksals …

  1. Ja, eben „könnte“. 🙂
    Für mich wäre es dann ein Zeichen, dass die Blogs gut von Google und Co. gefunden werden, sollten entsprechende Suchanfragen eingehen. Ich erwarte allerdings, dass mein Blog vor diesem hier liegt, sonst habe ich keinen Spaß an dem Spiel!

    Und ansonsten: Einfach tapfer bleiben und zur Paranoia stehen!
    🙂

  2. Kirstin Nickelsen, Wirtschaftsmediatorin in Hamburg, hat ebenfalls über das Thema berichtet und kommentiert unsere unbekannte Autorin. In diesem Kommentar schreibt sie auch über mich: „selbst Datenschützer! .-))“ …
    Mit der berufsbedingten Paranoia eines Datenschützers könnte man jetzt auf die Idee kommen, dass die Rasterfahndungsmodelle des präventiven Überwachungsstaates meine Person in den Ergebnislisten der Recherche „Datenschutz und Steuerhinterziehung“ auftauchen lassen. Ein schönes Beispiel für Verknüpfungen und Interpretationsspielraum einer Rasterfahndung. Ich werde es Sie wissen lassen, falls plötzlich und unerwartet etwas in dieser Richtung passiert… 😉
    Kirstin Nickelsen hat angekündigt, dass Sie hier weiter über Herrn Betzl berichten wird. Auch bei dieser „Geschichte, die das Leben“ schrieb, bleibt es sicher spannend…

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