Datenschutz im Web 2.0

In Datenschutzkreisen wurde in den letzten Monaten des öfteren thematisiert, das Web 2.0. Ich habe nicht so ganz verstanden, warum das so heißt. Faktisch ist es nur eine Erweiterung der Anwendungspalette im Internet, bei der jedermann die Möglichkeit gegeben wird, sich selbst zu präsentieren und der Welt Dinge mitzuteilen, die keiner wissen will. Oder etwa doch?LinkedIn, StudiVZ, Facebook, MySpace, Xing… Sind das nur temporäre Erscheinungen, oder ist das schon die Wirklichkeit, die es auch morgen noch geben wird? Lieschen Müller und Hans Meier beschreiben der Welt: Mein Haus, mein Auto, meine Kinder, meine Freunde, meine Hobbies, der letzte Urlaub … und die Welt vermarktet Profile. Schön, wenn man dem Bewohner eines Hochhauses keinen Rasenmäherprospekt in den Briefkasten werfen muss, weil man ja weiß, dass er seine Freizeit auf Mallorca verbringt…

Der Gedanke liegt nahe, mit diesen Informationen Geld zu verdienen. Das war die Geburtsstunde der sozialen Netze im Web 2.0. Nutzen wir doch Lieschen Müllers Mitteilungsbedürfnis, geben ihr eine kostenlose Plattform und verkaufen Ihre Daten an Werbetreibende. StudiVZ hat es versucht, Xing startete Anfang Januar mit profilorientierter Werbung. Die Betreiber haben vermutlich nicht mit dem Widerstand der Nutzer gerechnet. Mitglieder bei StudiVZ pseudonymisieren oder anonymisieren ihre Profile, der Kurs der börsennotierten Xing AG ist seit dem 01. Januar an der Frankfurter Börse von 45 auf 36 Euro gefallen. Bei Xing mag hierbei auch eine Rolle spielen, dass der europäische Finanzinvestor Wellington Partners sich in diesem Jahr von seinem knapp siebenprozentigen Anteil an Xing trennen will (Der Investor wird seine Gründe haben…). Für mich als Datenschützer liegt aber der Gedanke näher, dass sich die Mitglieder „plötzlich und unerwartet“ an ihre Rechte als Individuen erinnern. Die Stimmen aus dem Mitgliederumfeld Xing sind deutlich und machen eine Abwärtstendenz deutlich. Sollte es tatsächlich doch noch Interesse an der Privatsphäre geben? Ich hege Hoffnungen…

Der Berliner Datenschutzbeauftragte hat in Kooperation mit Peter Schaar das Thema aufgegriffen und lädt anlässlich des 2. europäischen Datenschutztages am 28.01. zu einer Veranstaltung ein, bei der auch der Mitbegründer von studiVZ Ltd, Michael Brehm zugegen sein wird. Thema:

  • schülerVZ, studiVZ, spickmich und andere Web 2.0 – Anwendungen
  • Ist im Internet noch spurlose Kommunikation möglich?
  • Handys und Datenschutz

2 thoughts on “Datenschutz im Web 2.0

  1. Richtig, WordPress könnte sich ebenfalls in Sachen Datenschutz beraten lassen ;-). Zu Gute halten muss ich hier aber, dass die Angaben optional sind, und damit einem Opt-In gleichkommen.
    Über die Zahlen bei StudiVZ habe ich leider keine verlässlichen Informationen, es dürfte sich bei den eigenen Angaben von StudiVZ auch nicht um die tatsächlichen Verhältnisse handeln. Solange niemand von außen die Zahlen nachvollziehen kann, wird es im Interesse des Betreibers liegen, die Abmeldungen zu beschönigen. Was sicherlich auch bei Xing der Fall sein dürfte, aber hier werden wir nur bis zum Jahresende warten müssen, bis der Geschäftsbericht vorliegt. Ich bin jetzt schon gespannt…

  2. Nun, auch WordPress kann man bei der Anmeldung so einiges mitteilen, aber lassen wir das.

    Derzeit bin ich gespannt, wie es mit Xing weitergehen wird.
    Der eigene Account ist weitestgehend abgeschottet, aber natürlich ist es durchaus nützlich direkt auf der Startseite zu sehen, was sich bei den Kontakten so tut.

    Wie viele Nutzer werden also tatsächlich noch Gebrauch machen vom Opt-Out?

    Laut eigener Aussage haben sich nach der Änderung der AGB bei StudiVZ dort 10.000 Nutzer abgemeldet (von 4.000.000), nach einigen Tagen sollen die Neu-Anmeldungen aber wieder das alte Maß erreicht haben. Doch nur ein Sturm im Wasserglas, der schnell wieder vergessen ist?

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