Wie das Internet Karrieren zerstört

Ein Bericht in der Welt-Online macht deutlich, dass man heutzutage sehr vorsichtig mit der Offenbarung persönlicher Lebensumstände im Internet sein sollte. Das Internet sei längst zur Datenfalle geworden. Persönliche, unbedacht gemachte und schmutzige Einträge brächten Menschen zu Fall. Wer sich für einen Job bewirbt, sollte im Netz eine weiße Weste haben – der Personalchef fände pikante Daten garantiert.Als Beispiel wird ein promovierter Psychologe angeführt, der sich als junger Mann in der nervenaufreibenden Prüfungsphase seines Medizinstudiums an einer Londoner Universität Hilfe von den Mitgliedern mehrerer britischer Internet-Foren versprach. Dort schrieb er seine Probleme auf – unter seinem echten Namen. Ein Fehler, den er heute bitter bereut. „Peinlich“ findet der promovierte Psychologe es jetzt, zehn Jahre danach, wenn Kollegen oder Patienten seine Krankengeschichte in den Foren nachlesen würden. Jahrelang war es ihm nicht gelungen, die Einträge zu löschen.

Dies ist nur eines von vielen Schicksalen, das sich gerade zu den Anfangszeiten des Internets begeben hat, als noch nicht deutlich war, welche Dimensionen das Internet erreichen würde. Zum Beispiel fiel die Mutter zweier Kinder, „aus allen Wolken“ als sie eines Tages Anrufe unbekannter Männer erhielt. Ihr Ex-Freund hatte Nacktfotos der 36-Jährigen ins Netz gestellt, zusammen mit Namen, Kontaktadresse und Telefonnummer der Frau. Sie bekam zwar 25.000 Euro Schmerzensgeld vom Kieler Landgericht zugesprochen. Da die Bilder aber immer noch im Netz standen, wanderte sie nach Übersee aus.

„Das Netz ist ein riesiges Datenarchiv“, sagt Ulrich Kühn, Mitarbeiter beim Datenschutzbeauftragten der Stadt Hamburg. „Einmal publizierte Äußerungen, selbst wenn sie Jahre oder Jahrzehnte zurückliegen, bleiben immer auffindbar – solange sie niemand löscht.“ Zwar hat in Deutschland laut Paragraf 6 des Bundesdatenschutzgesetzes (BDSG) jeder Bürger das Recht zu bestimmen, was mit seinen Daten geschieht – und kann sie so nach eigenem Gutdünken löschen, berichtigen oder sperren lassen. „Doch das ist in der virtuellen Wirklichkeit sehr aufwendig“, so Kühn.
Wer bisher glaubte, mit einem Anruf bei Google erledige sich das Problem, irrt. Google findet die Daten zwar, hat aber in den meisten Fällen ebenso wenig wie andere Suchmaschinenbetreiber die Befugnis, sie eigenmächtig zu löschen.

Selbst wenn diese „formalen“ Anforderungen erfüllt sind, weigern sich Webseiten-Betreiber häufig, Beiträge zu löschen. Dann können sich Betroffene entweder an den Datenschutzbeauftragten wenden oder rechtliche Schritte einleiten.

Das Web bestraft keineswegs nur diejenigen, die sich in Bilderbörsen, Videoforen, sozialen Netzwerken und Online-Tagebüchern selbst entblößen. Die Gefahren aus dem Datenkosmos bedrohen ebenso Menschen, die von MySpace, YouTube und Flickr – den Bastionen der Web-Exhibitionisten – keinen blassen Schimmer haben. Grundsätzlich stellt jedes Kamera-Handy ein Risiko dar. Die jederzeit für jedermann bestehende Möglichkeit, persönliche Daten mit nur geringem Aufwand unkontrolliert über das Internet zu verbreiten, macht sie zu Personen des öffentlichen Lebens: Die Zahnarzthelferin wie den Vertriebsmanager, den Rechtsanwalt wie den Monteur.

Einer der Gründer des US-Unternehmens von Spock.com macht laut Heise deutlich, welche Potentiale hierin liegen. Die US-Firma hat eine Suchmaschine für Menschen gestartet. 100 Millionen sollen bereits erfasst sein – meist ohne deren Einverständnis oder gar Wissen. Jeden Tag sollen es eine Million mehr werden. Spock zeigt sie mit Foto und Kurzbiografie, listet ihre Bekannten auf, hat sie mit Schlagwörtern wie „Harvard-Absolvent“ oder „Republikaner“ versehen und verweist auf andere Internetseiten mit weiteren Informationen. Es wirkt wie der Daten-GAU. „Wir wollen ein Profil von jedem Menschen dieser Welt anlegen“, erklärte das Sprachrohr der US-amerikanischen Leute-Suchmaschine bei der Freischaltung seines Babys in der öffentlichen Betaphase.

Auf der Homepage finden sich zunächst die „Top Ten“ der üblichen Stars und Sternchen. Auch auf deutsche Berühmtheiten wie Helmut Kohl oder Angela Merkel stößt man bereits, letztere unter anderem mit dem Stichwort „youngest person to be chancellor“ verknüpft.

Bei der Informationssammlung setzt Spock.com auf einen zweigeteilten Ansatz. Zum einen schöpft die Suchmaschine aus öffentlichen Quellen wie Wikipedia, Nachrichtenartikeln, Websites von Personen oder Firmen sowie in sozialen Netzwerken wie MySpace, Xing oder Facebook hinterlegten Profilen. Gerade die häufig reichlich freiwillig gemachten Angaben der Profilierten in den einschlägigen Online-Gemeinschaften stellen dabei ein reiches Futter für die virtuellen Agenten von Spock.com dar. Schließlich stellen bereits etwa 19 Prozent der Deutschen private Informationen ins Netz. Zehn Prozent nutzen dazu Communities wie StudiVZ oder Xing, 7 Prozent ihre private Homepage, während 2 Prozent Blogs betreiben oder sich in Singlebörsen in ihr Innerstes schauen lassen.

Das Web-2.0-Prinzip bleibt aber nicht außen vor. Eingeloggte User können bei der Verschlagwortung von Personen mit Hilfe von Tags helfen und vorhandene Kategorisierungen auf- oder abwerten. Auch über die Korrektheit etwa von Bildern, die einem Profil zugeordnet werden, können sie Aussagen machen oder Fotos selbst hochladen. Als erster ist Spock.com mit der Idee der gezielten Personensuche nicht am Markt. Weitere Leute-Suchmaschinen hören auf Namen wie Wink.com, Zoominfo, Streakr, ProfileLinker oder Upscoop und wollen vom wachsenden Kuchen der suchbezogenen Werbeausgaben profitieren. Das Missbrauchpotenzial der neuen People-Dienste ist groß: Bei der offenen Verschlagwortung etwa könnten bewusst falsche Fährten gelegt und Persönlichkeitsrechte verletzt werden.

http://www.heise.de/newsticker/meldung/94337
Datenschützer geben sich laut einer Heisemeldung alarmiert. Berlins Datenschutzbeauftragter Alexander Dix spricht von einer „neuen Qualität“ des Zusammentragen persönlicher Daten, die „im Kern“ aber „nicht neu ist“. Spock liefere prinzipiell nur das, was auch andere Suchmaschinen wie Google an den Tag fördern. Nur spare es einige Rechercheschritte. Auch Dix hofft, „dass bei vielen nun das Bewusstsein dafür geschärft wird, was sie von sich im Internet preisgeben“. Er beklagt zudem, dass Betroffene erst einmal mitbekommen müssten, dass bei Spock.com ein Profil über sie vorhanden sei. Andernfalls seien auch keine eigenen Änderungen daran möglich. Bis dahin könne ein Imageschaden aber bereits erfolgt sein.

Die Gründer von Spock.com sehen sich derweil auf festem rechtlichen Grund. Sie verweisen unter anderem auf das in den USA hoch gehaltene Recht zur freien Meinungsäußerung bei der Schlagwortproblematik und auf die Möglichkeit der im Profil Erfassten, eben davon gleichsam Besitz zu nehmen und Korrekturen vornehmen zu können. Zugleich rücken sie die technischen, über die Fähigkeiten Googles hinausweisenden Funktionen der umstrittenen Site in den Vordergrund: „Wenn in einem Dokument über eine Person namens Charlie steht, dass John gerne Golf spielt, dann identifiziert unsere Suchmaschine das als Information über John und weist sie dieser Person zu“, erläutert Mitgründer Jaideep Singh. Ansonsten müsse sich jeder klar machen, „wie viel über ihn bereits im Internet steht. Wir bündeln diese Informationen nur. „http://www.heise.de/newsticker/meldung/94337

Der Leiter des Unabhängigen Landeszentrums für Datenschutz Schleswig-Holstein (ULD), Thilo Weichert, sieht die schutzwürdigen Interessen der von einer neuen Generation von Personen-Suchmaschinen wie Spock.com Betroffenen nicht hinreichend berücksichtigt. Die um möglichst genaue persönliche Profile nebst Bildern und Kontaktangaben herum gestrickte Form von Suchportalen „ist mit deutschen Datenschutzrecht nicht vereinbar“, erklärte der Experte gegenüber heise online. Insbesondere Spock.com könnte laut Weichert „der erste Fall werden, bei dem es zu einem offenen, eventuell sogar politischen Konflikt zwischen US-Datenschutz und deutschen Aufsichtsbehörden kommt“.
Unter den speziellen Anbietern von Personen-Suchdiensten hat sich in den letzten Tagen insbesondere die US-Firma Spock.com hervorgetan.

Auf ein solches Angebot passt laut Weichert hierzulande nicht mehr allein das Telemediengesetz (TMG), das Haftungsregeln für Online-Anbieter festschreibt. Anwendbar sei vielmehr prinzipiell auch Paragraph 29 des Bundesdatenschutzgesetzes (BDSG), der Bedingungen für das „geschäftsmäßige Erheben, Speichern oder Verändern personenbezogener Daten zum Zweck der Übermittlung“ festschreibt. Die Aufnahme personenbezogener Daten in elektronische oder gedruckte Adress-, Telefon-, Branchen- oder vergleichbare Verzeichnisse hat demnach etwa zu unterbleiben, „wenn der entgegenstehende Wille des Betroffenen aus dem zugrunde liegenden elektronischen oder gedruckten Verzeichnis oder Register ersichtlich ist“

Die in diesem Paragraphen genannten rechtlichen Voraussetzungen für die Datenübermittlung und -speicherung treffen Weichert zufolge aber „samt und sonders auf Spock.com nicht zu“.
http://www.heise.de/newsticker/meldung/94447

Die öffentliche Erreichbarkeit der hier benannten Datenbanken machen es Anbietern leicht, Persönlichkeitsprofile zu erstellen und auszuwerten.

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