Google – Fluch oder Segen?

Die Entwicklung um Google dürfte an niemandem vorbeigegangen sein, der regelmäßig das Internet für berufliche oder private Zwecke nutzt. Manch einer spricht von Googles marktbeherrschender Stellung und hat sicherlich nicht Unrecht, wenn sich diese Aussage auch darauf bezieht, dass Google Bedenken hinsichtlich der Transparenz jedes einzelnen Internetnutzers auslöst.

Wohin dies führen kann, wurde schon durch die Vision EPIC 2015 von Robin Sloan und Matt Thompson verdeutlicht.

Aus Sicht eines Datenschützers drängt sich die Frage auf, ob das Interesse der Öffentlichkeit an solchen Thesen mit Resignation, Unkenntnis oder einfach nur Egalität verbunden ist. Wir leben in einer digitalisierten Welt und sind täglich mit der weiteren Entwicklung konfrontiert. Vor dem Hintergrund der Debatte um die personenbezogenen Daten, die in der Volkszählungsentscheidung vor 24 Jahren als schutzwürdig definiert wurden, muss man heute ganz deutlich sagen, dass nicht wenige aufgrund einer viel weitergehenden Qualität der zur Disposition stehenden Daten ihre Privatsphäre für einen Lolli verkaufen.

1983 ging es im Zusammenhang mit Orwells 1984 um die Befürchtungen, dass der Staat im Sinne eines großen Bruders Daten über jedermann sammelt. Heute sind es viele kleine Brüder, denen wir freiwillig unsere Daten anvertrauen, wobei wir nicht wissen, an welchen Stellen diese Daten zusammengeführt werden. An der Tankstelle wird man danach gefragt, ob man Punkte sammelt oder ADAC-Mitglied ist. Für 2 Cent auf den Liter ist die Mehrheit der Kunden schon bereit, persönliche Daten preiszugeben. Kundenkarten versprechen Rabatte, Bonussysteme offerieren wirtschaftliche Vorteile und alle Systeme sammeln Daten. „Geben Sie uns Ihre Daten und wir geben Ihnen Prozente.“ Google hat es da noch einfacher. Jeder Nutzer hinterlässt freiwillig eine Datenspur, die bislang auf nicht absehbare Zeit gespeichert wurde.

Die Bürgerrechtsorganisation Privacy International [PI] stellt Google ein vernichtendes Zeugnis im Umgang mit den persönlichen Daten seiner Nutzer aus. In einer von PI herausgegebenen Liste großer Internet-Unternehmen rangiert Google an letzter Stelle. Als einziges der von der britischen Organisation untersuchten Internet-Unternehmen erhielt Google die Bewertung „datenschutzfeindlich“ [„Hostile to Privacy“]. Als besonders Besorgnis erregend wertete Privacy International, dass Google die mit seinem Suchdienst gesammelten Nutzerdaten mit jenen aus anderen Diensten [Gmail, Instant Messaging, Maps] verbinden könne. Die Nutzer hätten jedoch weder die Möglichkeit, ihre von Google gesammelten persönlichen Daten einzusehen, noch könnten diese gelöscht werden. Über die tatsächliche Nutzung der persönlichen Daten seiner User mache Google keine Angaben, kritisierte die Organisation unter anderem.

„Bei genauerer Betrachtung stellt sich heraus, dass Google viel mehr mit unseren Daten anstellt, als wir uns jemals vorgestellt haben“, sagte PI-Direktor Simon Davies. Darüber hinaus werden Suchanfragen und damit in Verbindung stehende IP-Adressen bei Google bis zu zwei Jahre lang gespeichert, das sei eine „inakzeptabel“ Zeitspanne und würde in vielen Teilen der Welt gegen Datenschutzgesetze verstoßen, hieß es.

Google ließ die Vorwürfe nach einer Meldung des ORF über einen Anwalt zurückweisen und verteidigte seine Datenschutzpolitik. Das Sammeln der Nutzerdaten diene dazu, um die Nutzer besser verstehen zu können und die Google-Dienste zu verbessern.

Die Artikel 29-Gruppe (Gruppe, die gemäß Artikel 29 der Datenschutzrichtlinie 95/46/EG eingesetzt wurde; das unabhängige Beratungsgremium der Europäischen Union in Datenschutzfragen. Ihre Aufgaben sind in Artikel 30 der Richtlinie 95/46/EG sowie in Artikel 14 der Richtlinie 97/66/EG festgelegt) befasst sich nach Angaben von Bloomberg ebenfalls mit der Speicherpraxis von Google. Das Unternehmen wurde jüngst laut Bloomberg angeschrieben und um Stellungnahme zur Speicherung von Suchanfragen gebeten.

Google speicherte bis vor Kurzem bei jeder Suchanfrage weltweit jeweils den eingegebenen Suchbegriff und die IP-Adresse seines Computers auf unbestimmte Zeit. Laut Heise Online begründete Google dieses Vorgehen mit Sicherheitserfordernissen. Vor wenigen Wochen verkürzte Google laut Heise die Speicherdauer auf anderthalb bis zwei Jahre.

Wie Reuters UK berichtet, hat Google auf die Anfrage der Artikel 29-Gruppe zur Speicherpraxis bei Suchanfragen reagiert und angekündigt, die Speicherdauer der Suchanfragen auf 1,5 Jahre zu reduzieren und damit am unteren Ende der angekündigten Zeitspanne zu bleiben. Der Datenschutzbeauftragte von Google, Peter Fleischer, stellte in seinem Antwortschreiben an die Artikel 29-Gruppe fest, dass eine gesetzliche Regelung einer Speicherdauer von unter 18 Monaten die von Google angebotenen Dienste gefährden würde.

Nach 18 Monaten sollen die Server-Logdaten nun anonymisiert werden. Google prüfe derzeit zudem, wie die Gestaltung von Cookies den Forderungen der europäischen Gesetzgeber entsprechen könne. Das Unternehmen wolle Cookies neu gestalten und die Dauer bis zum Ablaufdatum reduzieren.
Parallel zu dieser Entwicklung ergänzt Google seine zahlreichen Dienste nun mit einem neuen Angebot. Mit Hilfe von „Street View“ kann bei der Nutzung von Google Maps, dem Stadtplandienst von Google, bis auf einzelne Straßen herangezoomt werden. Das Unternehmen bietet diese Nutzungsmöglichkeit bereits für amerikanische Städte wie San Francisco, New York oder Las Vegas an. Zu einer Einführung in Deutschland gibt es keine Aussagen.

Heise berichtet, dass der Nutzer von Street View aus dem Blickwinkel eines Fußgängers Fotos von Straßenzügen ansehen kann. Dabei weisen die Aufnahmen teilweise eine derart hohe Schärfe auf, dass Personen erkennbar sind, die zufällig zum Zeitpunkt der Aufnahme des Fotos vor Ort waren.